Zur Liebe Gottes finden

 

Es geht auf dem Kurs-Weg darum,
angesichts von allem in der Welt im Geistes-Frieden zu ruhen.
Denn dann hat diese Traum-Welt keine Wirkung mehr
auf mich als Geist
und ich kann erwachend begreifen,
dass ich nicht von dieser Welt,
sondern Gottes Liebe bin.
(angelehnt an T-24.Einl.1:1-2 / S. 501)

„Angesichts von allem im Frieden sein“ – so gut es klingt,
entdeckte ich bei mir dabei die sehr subtile Ego-Falle,
dennoch bei den Umständen und Verhaltensweisen stehen zu bleiben
und damit sie und die Welt doch weiter wahr zu machen.
Denn wenn ich zum Beispiel an einer Verhaltensweise eines Menschen
oder an einem Zustand meines Körpers leide
und mich dann darin übe,
auf diese Verhaltensweise und diesen Umstand schauend in Frieden zu bleiben,
– aber nur, um nicht mehr DARAN zu leiden -,
also weiter sehr subtil IN BEZUG dazu bleibe,
vertrete ich immer noch,
dass DIESER Umstand und DIESE Verhaltensweise
an sich leidvoll und wahr ist.
Ich versuche nur, anders damit klar zu kommen,
bin aber nicht wirklich frei davon.

Erst, wenn es durch mein Bewusstwerden und Hinwenden zum Heiligen Geist
vollkommen egal für mein Empfinden geworden ist,
wie  ein anderer sich verhält oder in welchem Zustand mein Körper ist, 
habe ich ihnen wirklich allen Wert und alle Macht über mich entzogen.
Erst, wenn ich mich nicht mehr auf die Formen beziehe,
wenn diese keine Rolle mehr für mich spielen,
sie keinerlei Bedeutung mehr für mich haben, 
ich mich also von den Umständen und Verhaltensweisen
nicht mehr aufgefordert fühle,
mich innerlich mit ihnen beschäftigen zu müssen,
ruhe ich in bedingungsloser Liebe,
die nichts mehr unterscheidet, auswählt und bewertet
und sich allen ohne Ausnahme schenkt.

„Denn du würdest gar nicht auf Figuren reagieren in einem Traum,
von dem du wüsstest, dass du ihn träumst.
Lass sie so hasserfüllt und so bösartig sein, wie sie nur wollen,
sie könnten keine Wirkung auf dich haben,
es sei denn, du versäumtest zu begreifen,
dass es dein Traum ist.“
(T-27.VIII.10:5-6 /S. 590)

Daher geht es auf dem Weg zurück zur wahren Liebe
nicht wirklich um die Welt, Umstände, Körper, Moral und Verhalten,
sondern darum, über all das hinaus zu gehen, 
worauf ich mit dem Ego stets meinen Fokus setzte 
und was ich je für wichtig und richtig hielt.
Ich nehme eine vollkommen anderen Fokus ein:

Es geht nicht um ein Erdulden oder ein Nicht-Dulden
von Umständen und Verhaltensweisen,
sondern es geht darum, in beiden Fällen in liebevoller Geduld
nach innen zu schauen auf das eigene Leiden
und dahinter NUR ungestörten Frieden zu finden.

Es geht nicht um Treue oder Untreue,
sondern in beiden nicht das eigene Glück oder Unglück zu sehen
und stattdessen zu entdecken, dass das wahre Glück IMMER in mir ist.

Es geht nicht um Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit,
sondern um das Ausgerichtet-Sein auf bedingungslose Liebe,
die in JEDEM an die Unschuld erinnert.

Es geht nicht um Gesundheit oder Krankheit des Körpers,
sondern um den Geist,
der beides zum ERWACHEN aus dem Körper-Traum nutzt.

Es geht nicht um Ehrlichkeit oder Lügen,
sondern um die Offenheit, ALLES in Frage zu stellen,
denn die WAHRHEIT ist nicht von dieser Welt.

Es geht nicht darum, anderen zu vertrauen oder zu misstrauen,
denn jeder ist mit dem Heiligen Geist UND dem Ego hier,
sondern es geht darum, sich selbst zu trauen,
nur GOTT treu zu sein.

Es geht nicht um Nicht-Urteilen oder Urteilen,
sondern darum, gar keine TEILE mehr wahrzunehmen
und somit alle weltliche Wahrnehmung
in GOTTES-ERKENNTNIS übergehen zu lassen.

Es geht nicht um unsere Unterschiede oder Gleichheit,
denn nur in der Trennung kann überhaupt verglichen werden,
ob etwas unterschiedlich oder gleich ist.
Es geht darum, die UNMÖGLICHKEIT der Trennung zu erkennen.

Es geht nicht um Ich ODER Du
und auch nicht um Ich UND Du,
sondern es geht um das Zurücktreten vom Ich und Du
zum EWIGEN EINSsein.

Es geht darum,
über alle Gegensätze und Werte hinauszugehen,
weder in den einen, noch in den anderen Pol noch zu investieren,
denn das führt nur zum Festhalten an der dualen Welt,
zur Bewertung von „richtig“ und „falsch“ 
und somit zu Schuld und Leiden.
„Diesen Kurs zu lernen erfordert die Bereitwilligkeit,
jeden Wert infrage zu stellen, den du hast.“ (T-24.Einl.2:1 / S. 501)
WERTFREI werde ich nur unseren WAHREN WERT zum Ausdruck bringen.

„Das Geheimnis der Erlösung ist nur dies:
dass du dir dieses selber antust.“ (T-27.10:1, S. 590)
Es geht also darum,
STETS ganz bei mir im Geist zu bleiben
und nichts und niemanden verändern zu wollen,
denn nur das verbindet und erlöst uns.

Es geht darum,
IMMER nur auf MEINE Gedanken und Gefühle zu schauen,
während ich in die Welt schaue.
Das ermöglicht mir,
MEINE geistige Wahl zu bemerken und neu zu wählen.
Denn „Die einzige Verantwortung des Wunderwirkenden ist,
die SÜHNE für sich selber anzunehmen.“
(T-2.V.5:1 / S. 26)

Und schließlich geht es nicht um Angst ODER Liebe,
sondern nur darum zu erkennen,
dass es diese Wahl gar nicht gibt,

denn NUR LIEBE IST wirklich.

10 Gedanken zu „Zur Liebe Gottes finden

  1. Liebe Katja,
    hab vielen Dank für Deine Worte.
    Sie spiegeln das ständige „Dilemma“oder den „Kampf“, das die körperliche Wahrnehmung mit der Geisteshaltung eingeht oder führt.
    So, wie Du dies in Deiner Abhandlung darstellst, trifft es in meiner Wahrnehmung ebenfalls den Punkt. Meine Wahrnehmung und meine Konditionierung stehen nun mal im Gegensatz zu dem, was „wahr“ ist und was Du unter mehreren eindrücklichen Absätzen beschreibst: Es geht nicht darum, …….es geht darum……..
    „Zufällig“ lag zum Zeitpunkt Deiner Veröffentlichung meine Ausgabe des Kurses mit dem Kapitel 27 (28) offen – ein Kapitel, zu dem ich noch gar nicht vorgedrungen war und ich nicht weiß, wer diesen Teil öffnete. Es resonierte…..
    Wenn es eine Essenz oder ein Exzerpt des Kurses geben, sollte, dann ist dieser Beitrag ein wichtiger Teil davon.

    1. Lieber Ulrich, vielen Dank auch für deine Worte. Spannenderweise habe ich gerade gestern auch begonnen, das 27. Kapitel mal wieder zu lesen. Und dabei kam bei mir bei dem Abschnitt I. Das Bild der Kreuzigung (S. 567-570) so tief an, dass ich wirklich unschuldiges Opfer sein will, wenn ich mit Schmerz und Leid reagiere, denn damit kann ich Angriff und Schuld aufrechterhalten und somit mein falsches Selbstbild. Jemand anderes ist dafür verantwortlich, meine ich, dabei bin ich es, die genau das entscheidet. Ich spürte plötzlich, es geht auch nicht um Schuld oder Unschuld, denn auch Unschuld setzt Schuld voraus, von der sie sich abgrenzt, sondern es geht darum zu begreifen, dass es überhaupt gar keine Schuld gibt, dass wirklich niemals eine Trennung und Welt stattgefunden hat. Die Wahrheit ist wirklich jenseits von allem, was wie uns vorstellen und in Worte fassen können…

  2. Liebe Katja, ich habe lange über deinen schönen und tiefen Beitrag nachgedacht ;-).

    Ist es so, dass ich versuche, in Frieden auf die Dinge zu schauen, die mich scheinbar in Unfrieden bringen, um etwas zu erreichen? Ja, das ist so, sonst würde ich gar nicht den Versuch unternehmen. Und was will ich erreichen? Ich will Glück, Freude und Frieden. Und das ist kein Ego-Wunsch, denn Glück, Freude und Frieden sind quasi mein Urzustand, mein natürliches Sein, nach dem ich mich zurücksehne und auf das ich ein natürliches Anrecht habe, als SOHN GOTTES.

    Das Problem ist, dass ich diesen Zustand an scheinbar äußere Umstände und Dinge/Personen knüpfe. Das eben ist das Ego. Weil ich mich mit dem Ego verbinde, glaube ich, dass Glück, Freude und Frieden von scheinbar äußeren Dingen abhängen. Nun nehme ich eben genau diese Dinge heran und versuche, in Frieden darauf zu schauen, sie ohne Wertung und ohne Urteil einfach nur wahrzunehmen, sie mit den Augen des HG zu sehen.

    Ich darf dabei ruhig ein Ziel haben, nämlich meinen Geistesfrieden. Wenn ich dabei aber insgeheim und unterschwellig hoffe, dass sich durch mein Schauen die Dinge zum Besseren wenden, dann bin ich wieder dem Ego auf den Leim gegangen. Würdest du es auch so sehen?

    1. Lieber Tom, ja, ich stimme dir voll zu. Ich will Glück, Freude und Frieden – und das ist kein Ego-Wunsch, wenn diese unabhängig vom Welt-Geschehen sein sollen, also nur aus mir heraus. Und ja, es muss frei von der Erwartung und Hoffnung sein, dass sich dadurch in der Welt etwas ändern wird oder soll.

      Was ich in meinem Beitrag vertiefend herausarbeiten wollte, war der für mich sehr subtile Punkt, dass ich den Umständen oft dennoch weiter eine Macht gebe, obwohl ich unabhängig von ihnen in Frieden sein will!
      Zum Beispiel will ich mit Untreue in Frieden sein, hänge aber dennoch daran fest, dass Untreue und die Situation dazu real ist, sie soll mich nur nicht mehr aus dem Frieden werfen. Ich sage dabei weiterhin Treue und Untreue sind beide real und somit die Welt. Aber in Gott spielt weder Treue, noch Untreue eine Rolle, da ist nur Liebe.
      Für mich heben sich alle Gegensätze auf, wenn ich im Heiligen Geist ruhe. Ich denke dann weder über Treue, noch über Untreue nach, weder erwarte, noch verlange ich sie. Ich muss da auch nichts mehr benennen, in eine Kategorie einsortieren, weil es mich gar nicht anhebt, weil ich nichts auf bestimmte Weise brauche, weil ich in mir vollkommen in Frieden und Liebe ruhe. Ebenso ist es für mich mit all den anderen Gegensatzpaaren, die ich aufzählte.

      Klar starten wir erstmal da, wo wir uns erleben, das ist absolut der Ausgangspunkt. In etwa so: „Ich will in Frieden auf die Untreue schauen.“, „Ich will in Frieden darauf schauen, dass mich Untreue schmerzt.“, „Ich will in Frieden darauf schauen, dass jemand treu oder untreu ist.“, „Ich will in Frieden sein, egal ob jemand treu oder untreu ist.“ Das ist schon mal sehr gut. Ich schaue mir meine Ego-Reaktionen an, ich bringe sie ans Licht.

      Doch wer definiert hier immer noch Treue und Untreue und wozu? Nur das Egodenksystem und nur für weitere Trennung, Besonderheit, Verurteilung und Bindung an Schmerz und die Welt. Und es definiert, dass ich damit nun in Frieden sein können muss. So nach dem Motto: „Okay, der andere war untreu, aber ich bin ganz in Frieden.“ Die Untreue bleibt also wahr und Treue ein Wert, an dem ich implizit weiter festhalte. Ich bleibe im Ego-Kreislauf.

      Und so ist für mich der nächste Schritt, diese Ego-Definitionen und Gegensatzpaare auch noch anzuschauen und aufzugeben, nicht an ihnen festzuhalten. Erst, wenn ich begreife, dass es gar nicht um Treue oder Untreue geht, Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit, Gesundheit oder Krankheit des Körpers … es also gar nicht wirklich um die Welt und ihre Werte geht, sondern immer nur um meinen Geisteszustand des Glücks, der Freude und des Friedens jenseits aller Gegensätze des Ego – und eben eigentlich nicht angesichts und in Bezug dazu -, dann habe ich mich wirklich vom Ego und der Welt unabhängig und frei gemacht.

      Kannst du nachvollziehen, Tom, was ich meine mit diesem subtilen Punkt?

      1. Ja, ich denke, ich verstehe, was du meinst! Klar – erst schauen wir das an, was wir als unangenehm und falsch empfinden. Wir versuchen, in Frieden darauf zu schauen. Und das sollte letztendlich dazu führen, dass wir die Bewertung des jeweiligen Umstandes aufgeben, denn sie hat keine Bedeutung. Die Bewertung ist es ja eben, die uns etwas als unangenehm und falsch empfinden lässt. Und wenn wir etwas als falsch bewerten, dann wollen wir es auch ändern oder loswerden. Das gehört irgendwie alles zusammen zu diesem Teufelskreis bzw. Egokreis :-).

  3. Liebe Katja, lieber Tom,
    je öfter ich den Beitrag lese, desto ergriffener bin ich und desto klarer und trotzdem mystisch, weil nicht erklärbar, sondern nur erfahrbar, erscheint mir seine Botschaft.
    Ein bekannter persischer Mystiker hat diesen „subtilen Punkt“, wie ich meine mit einfachen Worten beschrieben:
    „Jenseits von richtig und falsch liegt ein Ort. Dort treffen wir uns.“
    – Dschalâl-ed-dîn Rumî

    Danke für eurer Anmerkungen.

    1. Lieber Urlich, wow, ein sehr passender Ausspruch des persischen Mystikers. Vielen Dank! Und ja, mir geht es ähnlich wie dir, Ulrich, ich bin da von etwas berührt, was mein Ego überhaupt nicht greifen kann und von wo es mich sofort wieder wegzerren will.

  4. Liebe Katja, wie erhellend, wie hilfreich und heilend formuliert, diesen Beitrag und die Vertiefung nochmals in deinen Antworten. Ich danke dir sehr für diese inspirierende Ausführungen, die mir helfen zu erkennen, wie ich mich gerade verliere in der Beschäftigung mit Unterschieden und erfahre, wie das Ego -im Hintergrund- sofort seine Kommentare liefert, wenn ich mich neu für die Wahrheit entscheide. Las gerade Kpt. 4.IV Das muss nicht sein. Dazu passt es genau.
    Wenn es wieder klar ist, ist es so einfach – oder umgekehrt 😊.
    Sei umarmt und gesegnet, liebe Katja.

    1. Hallo liebe Anneke,
      oh ja, der von dir benannte Abschnitt passt wunderbar. Es liegt wirklich alles in unserer Macht der Entscheidung.
      Dem niemals friedvollen Ego-Spiel in mir in all seinen Ausrichtungen, Kontrasten, Konflikten, Urteilen und Gegensätzen nur still zuzuschauen, erzeugt eine ruhige Mitte, die davon unberührt bleibt.
      Dieser Beitrag hier und meine lange innere Auseinandersetzung damit hat mich so viel gelehrt. Ich kann jetzt immer öfter erfahren, wie wirklich befreiend es ist, an keinem einzigen Ego-Wert mehr festzuhalten. Und bei manchen Werten (Vertrauen, Ehrlichkeit, Treue) habe ich mich extrem lange, vehement und sehr schmerzhaft gesträubt, sie in Frage zu stellen. Doch ich wusste, ich muss es tun, sonst hört der Schmerz nie auf. Und ich bin so froh, den Mut gefunden zu haben. Und siehe da: Ich bin viel öfter einfach nur grundlos glücklich.
      Und so kann ich im Nachhinein zu deinem herrlichen Abschluss-Satz bezüglich Klarheit und Einfachheit nur „Ja“ sagen.
      Fühle dich zurückgeknuddelt, du Liebe.

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