Ich hatte einen Traum…

Ich hatte heute Nacht einen Traum. Ich war mit zwei von mir zu beaufsichtigenden kleinen Kindern am Strand unterwegs. Wir ließen uns in einer höhlenartigen Einbuchtung in einer Sandklippe nieder und buddelten  und formten etwas im Sand. Dann war klar, das ich mit dem einen Kind zurück zum Ort und nach Hause gehen würde, weil wir irgendwie mit dem fertig waren, was wir tun wollten. Beim anderen Kind war offensichtlich, dass es noch weiter machen wollte und so gingen nur wir zwei. Alles war friedlich.

Als ich schließlich einige Zeit und entspannt zu Hause war, fiel mir plötzlich ein, dass ich dem zurückgelassenen Kind weder gesagt hatte, dass ich es abholen würde, noch wie es alleine nach Hause käme. Ich fragte mich, ob es eigentlich wirklich mitbekommen hatte, dass wir gegangen waren? Hatte ich es ihm überhaupt gesagt?

Sorge ergriff mich nun und so machte ich mich auf den Weg zurück zum Strand, um das Kind zu holen. Doch ich wurde auf dem Weg von irgendetwas aufgehalten, irgendwelchen Ereignissen, ich weiß es nicht mehr genau. Ich kämpfte mich hindurch, weil mich die Suche nach dem Kind drängte. Ich wähnte es verloren und in Angst und sah mich schuldbewusst als zu nachlässig an. Als schließlich der Strand in Sicht kam, tauchte jedoch urplötzlich die Frage in mir auf: „Warum soll ich denn nach einer Traumfigur suchen?“

Ich hielt völlig perplex inne. Ja, warum soll ich nach einer Traumfigur suchen? Dieses Kind ist nur eine Traumfigur. Was macht es für einen Sinn, nach einer Traumfigur zu suchen?
Ich stand da und war hin- und hergerissen. Da war der starke Impuls, das Kind – die Traumfigur – zu suchen, der mir zugleich unsinnig erschien. Doch ich konnte diesen Impuls auch nicht ganz aufgeben, weil ich mich selbst und die Umgebung, in der ich mich befand, als real empfand. Da kann ich doch nicht einfach ein Kind aufgeben! Ich schwankte hin und her und erwachte nun aus diesem nächtlichen Traum.

In meinem Bett liegend sah ich nun, dass ich IM nächtlichen Traum nicht an den Punkt gekommen war, dass ALLES ein Traum war, auch ich und alle anderen Menschen darin, alle Umstände, die ganze Szenerie. Aber etwas war aufgebrochen worden, ein anderer Gedanke schien herein, der einen Teil in ein anderes Licht setzte. Ein Anfang, der noch nicht alles umfasste, aber doch zum irritierten Innehalten und erstem Umdenken führte.

Und nun befand ich mich in meinen Tagtraum. In diesem lag ich in meinem Bett in meiner Weimarer Wohnung mit dem Leben als Traumfigur Katja und hielt nun das hier alles für wahr.

Macht es Sinn, nach Traumfiguren zu suchen?
Nicht, wenn ich mich selbst und in ihnen in Träumen verliere.
Ja, wenn ich mich zugleich mit ihnen allen als Traumfigur erkenne.
Ja, wenn sie mich zu meinem Träumer-Sein von uns allen zurückbringen.
Ja, wenn es zum Erwachen aus jeglichen Träumen führt.

2 Gedanken zu „Ich hatte einen Traum…

  1. Liebe Katja,
    Als ich deinen Text las
    um dann selbst mit dieser Frage , ob es denn Sinn macht nach einer Traumfigur zu suchen, konfrontiert wurde,
    da tauchte mit ihr augenblicklich die Erinnerung an die Parabel Jesu, vom verirrten Schaf (Mt 18, 12-14), auf.
    Diese versinnbildlicht, dass nicht eine einzige Seele, von IHM im Stich gelassen wird.
    Insofern und da wir – auch nach der Lehre von Ein Kurs in Wundern – in dieser Traumwelt SEINE Hände und Füsse sind, und alle andern Traumgestalten, sozusagen Teil von IHM aber auch von uns sind, macht es durchaus Sinn,
    nach diesem TraumKind zu suchen.
    Wobei, da Kinder (in jeglichem Traum 😉 ) Hoffnung und Entwicklungsmöglichkeiten repräsentieren,
    stellte sich mir und meines Erachtens nun auch dir die Frage,
    um was für eine Hoffnung es handeln mag – was gewissermassen auch eine Suche nach dem Kind ist.
    Und ich stellte fest: die Antwort auf diese Frage,
    mag womöglich letztlich dazu veranlassen, die Suche aufzugeben …

    Ich danke dir herzlichst
    Gabriella

    1. Liebe Gabriella, vielen Dank für dein interessiertes und interessantes Mitdenken. Ich bin ja auch zu dem Schluss gekommen, es kommt darauf an, mit welcher Bedeutung und mit welchem Ziel ich die Suche im Traum betreibe… verliere ich uns weiter an den Traum oder finde ich uns im wahren Sein wieder.
      Spannend ist noch für mich, dass die Szene an der Sandklippe ganz friedvoll war und das Gehen frei von jedem Denken und Sorgen. Es fühlte sich nicht mal wie ein Zurücklassen des Kindes an. Es war alles ganz leicht, selbstverständlich und klar. Und erst als Fragen auftauchten, Sorge, Angst und Schuld, begann die Suche. Da war kein Vertrauen mehr oder gar Wissen, dass jeder nach Hause finden wird. Und eigentlich muss ja nur ich als der Träumer nach Hause finden, der alle Traumfiguren enthält. Es kann keinen Sinn ergeben, sich um Traumfiguren zu sorgen. Sie können mir nur alle Symbole zum sorglosen Erwachen werden. So werde ich ihnen als noch scheinbare Traumfigur mit Liebe und Vertrauen begegnen und ALLE darin halten… ja, ganz wie Jesus.
      Ja, ganz genau: wir geben niemanden auf, wir schließen niemanden aus, doch wir begreifen dabei zugleich zunehmend, dass es gar nicht viele gibt und niemand gerettet werden muss, weil es im Aufwachen nur EINEN gibt, dem nie etwas anderes geschah als freudvolles EINSSEIN.
      Danke dir Gabriella, dass ich mich noch weiter mit dir klären konnte.

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