Ziellos zum Ziel

In meinen ganz klaren Momenten
habe ich keine Ziele mehr
hier in der Welt.
Da ist nichts mehr,
was ich erreichen und erleben muss
als Individuum und Körper.

Denn alle Wünsche, Werte und Ziele,
die ich je hatte
und von denen ich dachte,
sie seien hier erstrebenswert
und glücksverheißend,
haben sich nicht als erfüllend bewahrheitet.
Sie sind nach und nach
in oft schmerzhaften Loslösungsprozessen
von mir abgefallen.

Ich habe keine Ziele mehr in der Welt.
Es ist so befreiend,
nicht mehr Zielen anzuhängen,
die unerreichbar sind
oder erreicht nur die nächste Sehnsucht offenbaren.

Ich habe keine Ziele mehr in der Welt.
Das mag in meinen Ego-Ohren depressiv und alltagsfern klingen
und so krame ich das eine oder andere alte Ziel
auch immer mal wieder hervor
und dann bin ich bald wieder im Schmerz.

Ich habe keine Ziele mehr in der Welt,
denn in meinem stillen Geist empfinde ich dies
als glücksversprechend,
denn alles hier widme ich dann dem einen Ziel:
mich wieder vollkommen an Gott zu erinnern,
während ich hier noch die scheinbare Person Katja
durch Arbeit, Urlaub, Freizeit, Körperpflege
und zwischenmenschlichen Begegnungen versorge.

Alles in der Welt dient nun dem Ziel jenseits der Welt:
mich daran zu erinnern,
das ich immer schon als Einheit
in vollkommener Liebe ruhe.

2 Gedanken zu „Ziellos zum Ziel

  1. Liebe Katja, es gibt den schlimm-schönen Satz im Kurs: „Gibt es ein Glück, das du hier suchtest, das dir nicht Schmerz gebracht hat?“ Fast zähneknirschend muss ich zugeben, dass es wahr ist. Warum soll ich denn nicht das Schöne im Leben genießen dürfen, höre ich mich fragen. Ja, genießen durchaus, aber wenn ich sehe, wieviel Hoffnung ich schon in irgendwelche Dinge, Menschen, Aktivitäten investiert habe. Hoffnung auf was? Vollkommenes Glück? Das kann nur schiefgehen. Je höher die Investition, deste größer der Fall und die Enttäuschung. Es gibt in uns den Punkt der Stille, wo all das bedeutungslos ist, wo wir einfach nur sind und alles ist, wie es ist. Zu dem müssen wir immer wieder zurückkehren bzw. uns daran erinnern, dass er ständig da ist.

    1. Sehr ehrlich, lieber Tom, wie du hinschaust. Danke, dass du den Sachverhalt auch durch deine Worte veranschaulicht hast. Dieses ewige in der Welt mein Glück suchen ist ein Hamsterrad. In der inneren Geistes-Stille sind das Glück und der Frieden immer da, die mit immer mehr Übung auch mitten in all den Weltenaktivitäten und im Lärm zunehmend zu hören und fühlen sind. Bleiben wir dran und beobachten uns immer wieder in unseren Verstrickungen und treten aus ihnen immer wieder heraus, bis wir sie ganz loslassen können.

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