Nach und nach ausgeräumt

Ich musste in der letzten Aprilwoche mal wieder operiert werden. Es hatte sich angekündigt. Aufgrund meines Brustkrebses 2018 (ich berichtete hier davon) muss ich insgesamt fünf Jahre lang hormonunterdrückende Tabletten nehmen. Diese können aber dazu führen, dass die Schleimhaut in der Gebärmutter nicht mehr richtig abgebaut wird. Wenn dies zu lange nicht geschieht, kann diese Schleimhaut entarten. Deshalb stand ich nun schon ein Dreivierteljahr unter Beobachtung, doch jede natürliche Abblutung blieb aus. Daher sollte eine ambulante Ausschabung von unten her und unter Vollnarkose im Krankenhaus stattfinden.

Bei den Voruntersuchungen im Krankenhaus wurde plötzlich eine fünf Zentimeter große Zyste am linken Eierleiter entdeckt, obwohl ich gerade erst vier Wochen vorher die gleiche Untersuchung bei meiner Frauenärztin hatte.

„Kann so etwas so schnell wachsen?“

„Ja. Die sollten wir samt dem Eileiter gleich mit herausnehmen. Ich vermute aber nichts Bösartiges.“

Ich nickte. Kein Problem.

„Das wird aber mit einer Bauchspiegelung gemacht. Es werden also zwei Operationen in einer.“

„Okay, kein Problem.“

„Da müssen Sie dann doch eine Nacht im Krankenhaus bleiben.

„Ja, ist gut.“

„Hmmm, wie wäre es, wenn wir auch gleich noch den anderen Eileiter mit herausnehmen? Nicht dass dann in einem Jahr bei Ihrer Vorgeschichte am anderen etwas ist und wir wieder operieren müssen. Dann vielleicht doch besser gleich beide?“ Die nette Ärztin klang unsicher, ob sie mir damit zu sehr zusetzen würde.

Aber ich stimmte gleich zu. Ich habe keinen Kinderwunsch mehr. Nur dann wäre es schwierig für mich gewesen.

„Also gut. Aber ich telefoniere noch schnell mit Ihrer Frauenärztin, wir kennen uns. Wir haben eine zeitlang zusammen gearbeitet. Ich frage sie mal, ob sie es auch befürwortet.“

Ich bin beim Telefonat dabei. Alles ist ganz offen und angenehm. Meine Frauenärztin schätzt es genauso ein, scheint aber zu fragen, wie es mir damit gehe.

„Frau Bode ist ganz nüchtern und stimmt dem zu,“ höre ich die andere Ärztin am Telefon antworten.

Da muss ich in mich hineinlächeln. Das stimmt, inzwischen nüchtern. Aber es war zwei Jahrzehnte eines meiner ganz großen, schwierigen und äußerst schmerzhaften Themen, kein Kind bekommen zu haben. Ich bin durch tiefes Leiden gegangen und ohne Kurs hätte ich damit wohl nie Frieden finden können. Seit meiner Kindheit war mein Lebensziel, mit einem geliebten Partner eigene Kinder zu haben. Und nun kann ich meine Eierstöcke einfach so hergeben.

Dann kommt die OP. Und danach die Eröffnung:

„Die Bauchspiegelung mit der Entnahme beider Eileiter ist komplikationslos verlaufen. Aber die Ausschabung konnte nicht stattfinden. Ihr Gebärmuttermund ist so verklebt, dass wir trotz vieler Versuche nicht hindurchkamen. Das bedeutet, wir konnten die Schleimhaut nicht herausholen. Wenn sie aber drin verbleibt, haben wir keine Möglichkeit, zu beurteilen, ob sie entartet. Daher müssen wir Ihnen eine weitere OP in ein paar Wochen empfehlen, in der auch die Gebärmutter noch komplett herausgenommen wird.“ Wieder werde ich unsicher angeschaut. „Wie wird sie damit umgehen?“, steht in die Gesichter der verschiedenen Ärzte geschrieben, die mir diese Nachricht mehrfach überbringen.

Doch auch dieses Mal bin ich sofort bereit dazu. Dank Kurs habe ich zu diesem Thema alle psychischen Anhänglichkeiten und Schmerzen des Ego ausgeräumt, was mir vor einigen Jahren noch nicht vorstellbar gewesen wäre. Jetzt spüre ich an meinen völlig neutralen Reaktionen auch auf die körperlichen Ausräumung ganz deutlich:

Ich bin ich zu diesem Thema wirklich frei.

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