Geduldig zurücklehnen

 

Das Ego ist nichts Eigenständiges, nichts Separates von mir,
das mich einfach überfällt, dem ich ausgeliefert bin.
Es ist mein Denken in Trennung, Schuld und Angst
und somit das Erleben von Leid.
Es ist meine Wahl. 

Mein Ego-Denken unbedingt loswerden und loslassen zu wollen
funktioniert in meiner Erfahrung jedoch nicht.
Denn gerade so geben ich ihm sehr viel Macht und Realität,
ich wehre mich dagegen und bestärken es gerade damit.

Der Punkt ist: Ich kann gar nicht ohne Ego-Gedanken hier sein.
Die Welt und meine Person sind mein Ego-Denken!
Und so geht es vielmehr darum,
hier zu lernen,
– und auch das ist meine Wahl –
mit meinem heil(ig)en Geist
auf mein Ego-Denken, seine Konsequenzen und die Welt zu schauen.
Nur so entmachte ich dieses Denken und befreie mich von Leid-Empfinden.

Aber das klappt halt oft auch gar nicht,
so sehr habe ich mich ins Ego-Sein verwickelt.
Dann sage ich mir:
Entspanne dich, lehne dich zurück,
schau dir alles nur mit Abstand,
geduldig und ohne Widerstand an,
wie es sich halt gerade anfühlt,
welche Gedanken da sind,
womit du identifiziert bist.
Sei einfach damit
– ohne ein Tun und Ziel –
still in dir.

Mein heiles Denken nimmt dann früher oder später
wieder den Raum in meinem Geist ein,
das Denken in Einheit und Frieden,
Vollkommenheit und Freude.
Das erlöst meinen Geist zunächst immerhin aus dem Ego-Schmerz
angesichts der Welt und dem Person-Sein.

So vergeht schließlich mit der Zeit
der Glaube an ein Ego
und das Denken mit dem Ego
ganz und gar,
weil ich immer weniger oft
und dann gar nicht mehr
darin investiere.

Das mündet als Geist
im gänzlichen Erwachen
aus der Welt und Person
– in Gott.

5 thoughts on “Geduldig zurücklehnen

  1. Hallo Katja,

    ich beschäftige mich noch nicht wirklich lange mit dem Kurs. Habe die Lektionen auch noch nicht durch.
    Für mich fühlt sich das mit dem Ego so an, dass ich teilweise danach greife, gerade wenn ich merke, dass ich jetzt (bspw. in der Meditation) ins Unbekannte gehe. Also nicht mehr wie anfangs dieses Denken von: Das Ego greift nach mir, sondern ich werde mir bewusst, dass ich das ja selbst bin, die das Ego weiterhin „einlädt“, regelrecht auffordert.
    Ich bin sehr neugierig, wann ich mich traue ohne Ego weiterzumachen. Im Moment fühlt es sich zwar gut an wenn ich in der Meditation den Zustand erreiche, in dem ich mich frei davon fühle, aber es sind nur Sekundenbruchteile und nicht stabil.

    Herzliche Grüße und Danke für deine Inspirationen
    Tanja

    1. Liebe Tanja, das ist eine sehr wichtige und gute Beobachtung, dass du selbst es bist, die das Ego wählt. Das nicht nur intellektuell zu wissen, sondern es wirklich zu bemerken, es beobachtend mitzuerleben lässt uns die eigene Macht und Entscheidung wirklich erfahren und Zugriff darauf haben.
      Ja, es ist eine Angst vor dem scheinbar Unbekannten, wenn wir das Ego loslassen, da es noch unsere derzeitige Identifikation ist. Nach und nach begreifen und erfahren wir immer mehr, dass dieses „Unbekannte“ jedoch unsere vergessene Wahrheit ist, die tief verborgen doch in unserer Erinnerung und unser wahres Sein geblieben ist. Und diese Wahrheit erfüllt uns mehr, als alles, was das Ego uns bietet.
      Das spannende ist jetzt, dass wir dennoch immer wieder ins Ego-Denken zurückgehen, obwohl es sich doch so gut anfühlt mit dem Heiligen Geist. Für mich bedeutet das, dass unsere Verhaftung, Schuld und Angst mit dem Ego noch so viel tiefer ist und die Abwendung davon so eine totale und radikale Umkehr bedeutet, dass es eben einfach Zeit und immer wieder Bereitwilligkeit braucht, sich mehr und mehr heranzutasten.
      Die Sekunden, Minuten oder Stunden, die wir bereits friedvoll auf das Ego schauen können, geben uns einen wunderbaren Ausblick und Ruhepunkt und helfen uns, dran zu bleiben.
      Liebe Grüße, Katja

  2. Danke für Deine Gedanken. Sie sind für mich so eindeutig und glasklar – wie der Kurs .
    Alles, was ich wahrnehme, ist nicht Ursache (1), sondern Wirkung (2). Sie sind das Ergebnis dessen, was ich denke. Das Auseinandersetzen mit der Wirkung, also dem mir Widerfahrenden, ist das, was wir alle als Körper in dieser Welt gelernt haben. Die Lösung nach unseren Mustern lautet so ähnlich: Verändere das Außen (die Wirkung) und du wirst wieder glücklich, gesund etc. (Ursache). Wie könnte die Wirkung Einfluss auf deren Ursache sein?
    In dieser Welt gibt es natürlich eine solche Wirkungsweise, also eine Rückwirkung auf die Ursache – behandle die Symptome und du wirst deren Entstehung eindämmen. Ja, das ist im Grunde die weltliche Herangehensweise – nur auf meine Erscheinung beschränkt.
    Was aber geschieht dadurch? Ich werde im positiven Falle WIEDER gesund, will heißen, ich werde in den Zustand versetzt, der mich eigentlich zu meinem Problem geführt hat. Das gilt in meinen Augen für alle „negativen“ Symptome.
    Es geht um eine andere Sichtweise, so wie sie der Kurs und du in deinem Buch beschreibst. Im Grunde ist die „Schwere“ der Missstimmung (Krankheit etc.) bedeutungslos – es ist nur eine falsche Bewertung.
    Mit diesem „nur“ haben wir natürlich unsere Probleme und das andauernd, ist doch unsere Wahrnehmung und Empfindung auf die Differenzierung aufgebaut. Auch auf die Schwere unserer Probleme.
    Diese neue Sicht, die sich grundlegend von unserer Wahrnehmung unterscheidet, hast du in deinem Beitrag in meinen Augen auf den Punkt gebracht. Sie sollte von uns in dauernden Zyklen angesehen werden, eine einmalige Betrachtung hat kaum Wirkung. Es ist vielleicht vergleichbar mit einem Schiff, das mit voller Fahrt unterwegs ist. Wenn ich es in die andere Richtung bringen möchte, so muss ich sofort den Rückwärtsgang einlegen. Zunächst verändert sich trotz dessen allerdings kaum etwas. Das Schiff fährt weiter und weiter, dann etwas langsamer – aber dennoch weiter, dann noch langsamer, bis es irgendwann (lange nach der Impulsänderung) zu Stehen kommt. und dann, erst dann, beginnt es Fahrt in die andere Richtung aufzunehmen. Auch wieder nur langsam, dann immer schneller……
    Danke dafür.

    1. Lieber Ulrich, vielen Dank für deine Ausarbeitung so wichtiger Punkte.
      Ja, es ist ein Kurs in Ursache, und die von ihm gemeinte Ursache liegt nicht in der Welt und auch nicht in (m)einem Körper. Diese sind nur Wirkungen/das Ergebnis des ursächlichen Fehlglaubens unseres Geistes an die Trennung von Gott. Ein gesunder Körper ist also ebenso eine Illusion wie ein kranker Körper, denn wir sind Geist, nicht Körper. Und einen völlig gesunden Körper gibt es eh nicht. Das ständige ängstliche Ringen darum hält uns voll auf die Illusion, also die Wirkung bezogen. Doch Geistesfrieden, ganz gleich, in welchem Zustand der Körper ist, das ist im Kurssinne Gesundheit und wirklich sehr beruhigend und lösend, weil es uns vom Leidempfinden und zu unserem geistigen Sein in Gott hin befreit. Solange ich dennoch einen Körper wahrnehme, tue ich natürlich ohne viel inneres Aufheben, was für ihn zu tun ist, doch mein Fokus liegt auf meinem Geisteszustand.

      Diese völlig andere Herangehensweise an alles in der Welt nehmen wir uns nach und nach immer tiefer und konsequenter an, wie von dir so schön mit dem Bild des Schiffes beschrieben. Dabei ist ein entscheidender Punkt, den du auch angesprochen hast, dass wir begreifen und erfahren, dass es tatsächlich keine Unterschiede in der Schwere der weltlichen Probleme gibt, um zum inneren Frieden zu gelangen, weil es immer und immer nur der gleiche Geisteswandel ist, um den es eigentlich geht.
      Ahoi und herzliche Grüße an dich.

    2. Hallo Ulrich, du hast es wunderbar beschrieben. Dein Satz: „Alles, was ich wahrnehme, ist nicht Ursache, sondern Wirkung“ bringt es perfekt auf den Punkt! Das immer wieder zu erinnern, ist unsere ständige Herausforderung im sogenannten Alltag.

      viele Grüße,
      Tom

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