Für die Wahrheit muss ich mich selbst loslassen

Ich muss mich selbst loslassen,
mein Personsein,
meine Individualität,
mein In-der-Welt-Sein
samt der ganzen Welt.

All dies ist Ausdruck meines Fehlgegangenseins,
meines falschen Glaubens,
meines Traumes von Etwas anderem,

als ich wirklich bin.

Es gibt keine Welt,
es gibt keine Person,
die ich bin.

Mein wahres SELBST ist nichts davon,
ist jenseits davon
ohne jenseits sein zu können,
denn es gibt kein Diesseits.

Es gibt nur mein wahre SELBST,
das auch nicht ein Mein ist,
denn es ist nicht abgrenzbar,
nicht beschreibbar als ein Ich und Mein,
weil es kein Du und Dein gibt.

Es ist alles und doch nichts davon,
weil ein Alles ein Vieles beinhaltet,
doch da ist nur Ein.

Dennoch ist es auch nicht ein Ein,
weil ein Ein begrenzt klingt,
das SELBST aber unendlich ist.

Und doch kann es nicht als unendlich beschrieben werden,
weil es weder Zeit noch Raum gibt,
woran es zu bemessen ist.

Es ist nicht mal ein SELBST,
weil da nichts mehr ist,
was sich als ein “ich selbst” bezeichnet.

Es ist sprachlos, wortlos,
nicht beschreibbar, nicht benennbar
und scheinbar paradox.

Und doch erfasst mich gerade deshalb eine Ahnung
zwischen all diesen Gedankenpurzelbäumen,
die ich mir mache, um mich selbst loszulassen:

Eine Ahnung von friedlicher Formlosigkeit.

4 Gedanken zu „Für die Wahrheit muss ich mich selbst loslassen

  1. Liebe Katja,
    vielen Dank für deine Worte. Genau diese Empfindungen, Erfahrungen und Gedanken habe ich seit geraumer Zeit immer intensiver und es scheint alles auf diese Erfahrung hinzulaufen. Vollkommenes Loslassen von allem, mit dem ich mich identifiziere, dieser Welt, meinem Körper, meinem Verstand/Ego, ja und dem, was ich meine, dass ich das wäre.
    Es stellt sich eine gewisse Trauer ein, aber auch – und das viel mehr – eine tiefe und innige Freude.

    1. Lieber Ulrich, das ist schön, dass du mich so gut verstehst. Ich denke manchmal, dass ich das kaum Mitteilen kann, weil es vielleicht zu unverständlich ist.
      Ja, mich macht es auch stets still und friedvoll. Trauer habe ich dabei noch nicht festgestellt. Bei mir spüre ich dann eine vage (wohl noch gut verdrängte) Angst, den letzten Schritt wirklich zu tun. Doch ich bemerke, je öfter ich mich darauf einlasse, umso anziehender wird die Befreiung von aller Angst und Trennung. Es ist ein sanfter Weg, der eigentlich keiner ist, weil es letztlich in einem einzigen Augenblick geschieht. Schon wieder ein Paradox, zumal nie etwas geschehen ist. Liebe Grüße an dich

  2. Wunderbar, liebe Katja! Sich selbst loslassen ist vermutlich der letzte und der schwerste Schritt. Jede Identifikation aufgeben, nicht einmal ein Ich mehr sein, jede Bedeutung fahren lassen. Das erscheint wie eine unüberwindliche Hürde und doch werden “wir alle” sie letztlich überwinden, es kann kein Scheitern geben.
    Ja, wenn es kein Diesseits gibt, macht auch der Begriff Jenseits keinen Sinn mehr….

    1. Lieber Tom, ja, ich denke auch, es ist der letzte Schritt. Alles vorher ist ein friedvoller IN der Welt werden, was nötig ist, um bereit zu werden. Denn damit beginnt zugleich schleichend die Ablösung. Wenn ich der Welt und meiner Person immer weniger die Macht über mein geistiges Erleben gebe, identifiziere ich mich auch immer weniger mit ihr.
      Und ja, ein Scheitern ist nicht möglich, weil auch eine Trennung vom wahren Sein nie möglich war.
      Sei lieb gegrüßt

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