Der Prozess zur Gewissheit

Der Kurs ist so klar und radikal:
entweder – oder, alles oder nichts, ganz oder gar nicht.
Nämlich entweder Angst oder Liebe. Entweder Gott oder die Welt.
Und doch ist es ein Prozess der Loslösung von der Angst und der Welt. Und dieser ist so liebevoll und geduldig. Es braucht Zeit bis wir tatsächlich alle Werte und Überzeugungen, die wir angesichts der Welt hegen, in Frage stellen, und zwar wirklich wirklich in Frage stellen. Auch unsere Individualität! Dies scheint mir der größte Brocken. Intellektuell-kurslogisch bejahe ich es vielleicht noch. Aber es wirklich wirklich geschehen lassen…? Meine Identität als Individuum… nicht nur als Körper, auch als individuelle Seele… vollkommen loslassen? Nichts Abgetrenntes, Begrenztes, Persönliches mehr? Denn das bedeutet Einheit!
Inzwischen bin ich mir sicher, dass ich eines Tages dazu wieder vollkommen Ja sagen werde. Bis dahin beobachte ich, wie ich so oft wider besseren Wissens auf verschiedenste Weise und in allen möglichen Formen noch Nein dazu sage. Dabei sehe ich zugleich, wie in mir das Vertrauen dennoch wächst und die Momenten des Geistesfriedens mehr werden und belastende Themen mehr und mehr ihre Kraft verlieren. Der Ausgang ist tatsächlich gewiss.

Es sind nicht einzelne praktische Beispiele oder Situationen durch die die Sicherheit der Gewissheit in mir entstand. Es ist der gesamte Prozess, den ich bisher mit dem Kurs durchlaufen habe und der noch voll im Gange ist, der mir inzwischen diese Gewissheit geschenkt hat. Ganz schlicht durch die immer konsequentere Kursanwendung auf komplett alles und in Ausrichtung auf die radikale und klare Metaphysik. Dadurch wurde es mir möglich, mit Situationen umzugehen, von denen ich vor dem Kurs nie im Leben gedacht hätte, dass ich dabei wirklich inneren Frieden haben kann. Das hat mich so davon überzeugt, dass wahr ist, wovon der Kurs spricht.
Und dann all die scheinbar kleineren, doch täglichen Konfrontationen mit dem Ego im Alltag … wie ich sie immer öfter anders sehen, mit ihnen lösender umgehen kann. Dass ich immer mehr erlebe, dass die Kurswahrheit alles durchzieht und welch Befreiungspotential das hat, das schafft in mir die Gewissheit.
Und zugleich erlebe ich alles als einen so behutsamen Prozess der Annäherung an den Endpunkt, immer in dem Tempo, wie es mir möglich ist. Ich bestimme mein Tempo und das finde ich so liebevoll. Ich werde einfach bereiter und bereiter, weil ich mich mehr und mehr einlasse. Je öfter ich erfahre, wie wohl es tut, den Kurs anzuwenden, umso überzeugter werde ich, dass auch dieser letzte Schritt, alles komplett loszulassen – die Welt und die Individualität –  freiwillig von mir kommen wird, weil er von mir irgendwann einfach eine gefühlte und erfahrene (und eben nicht nur intellektuelle) völlig logische Konsequenz sein wird.

Mich hat einst der folgende radikale Satz aus dem Kurs fast aus dem Schuhen gehauen, wenn er mich nicht zutiefst bejahend berührt hätte: „Der einzige Zweck, den diese Welt enthält und der deines Geistes würdig ist, ist der, dass du an ihr vorbeigehst, ohne dich damit aufzuhalten, dort Hoffnung wahrzunehmen, wo es keine gibt.“ (Ü-I.128.2:3 / S. 233) Wow! Und so bin ich noch, mit Schuhen an, auf dem Weg, an der Welt vorbeizugehen, indem ich meine falsche Identifikation beobachte.

In der konsequenten Anwendung führt mich der Weg einfach weg vom Körper und dem Getrenntsein und hin zum Geist der Liebe, zur Erfahrung der Präsenz der Liebe, die nichts mit dieser Welt zu tun hat und die ich dennoch hier in Widerspiegelungen schon immer mal erlebe.
Ich verspüre in mir, je länger ich den Kurs mache, dass sich eine Basis in mir entwickelt, die stabiler und friedvoller ist als je zuvor in meinem Leben. Und da bin ich noch nicht am Ende und es kann nur so weiter gehen, nur noch mehr werden. Ich erkenne schneller das Ego, ich versacke nicht mehr so lange darin, ich wage mich auch an heftigere Egothemen, weil ich oft genug nun erfahren habe, dass dahinter die Befreiung und Liebe wartet. Diese Basis baut sich durch die Kursanwendung immer stärker auf und kann einfach nur zum sicheren Sprungbrett aus allem heraus werden.

Ich habe in den letzten Jahre sehr heftige Prozesse hinter mir, bei denen alles ins Wanken kam und erst wieder Frieden auftauchen konnte, als ich bereit wurde, wirklich den Boden unter den Füssen des Ego wegzuziehen, nach und nach. Wirklich das in Frage zu stellen, was meinem Ego am allerallerwichtigsten war…. Ich habe das Gefühl, wir kommen an diese Dinge erst dann heran, wenn wir genug Erfahrungen und Sicherheit mit dem Kurs haben, um da durch zu gehen, sonst würden sie uns komplett umhauen…. Es geht halt immer tiefer, so, wie es uns möglich ist. Wir können darauf vertrauen. Wir werden durchgetragen.

Mir wird auch immer deutlicher, dass alle Werte, an denen ich hier festhalte – und damit meine ich vor allem auch ideelle, moralische Werte – mir nur immer wieder Schmerz bringen, mich einengen, mich abhängig von anderen und Umständen machen. Erst hatte ich Angst, wenn ich anfange all diese Werte aufzugeben, dass ich dann zum Spielball anderer und gedemütigt werde. Aber dann stellte ich fest: Das war ich eigentlich vorher! Stelle ich sie in Frage und lasse ich mich nicht mehr von ihnen bestimmen, entstehen eine Freiheit und eine Liebe in mir, die mich immer wieder sprachlos machen.

Und dann kommt wieder das Ego um die Ecke und fragt: „Kann das denn sein? Das du so frei bist, dass dich das jetzt nicht mehr juckt? Wirklich nicht?“ Und davon lasse ich mich immer noch wieder einfangen, aber es wird besser… und irgendwann nicht mehr passieren…. Bleiben wir einfach dran, denn der Ausgang ist ganz gewiss. Gewiss Gott.

(Mit herzlichen Dank an Wolfgang S., der durch sein Nachfragen diesen Text und mehr Klarheit dazu in mir erstehen ließ.)

4 Gedanken zu „Der Prozess zur Gewissheit

  1. Liebe Katja,

    ich durfte dich und Tom bei der Veranstaltung von Anja in Konstanz kennenlernen. Deine Texte sind sehr inspirierend und ich kann das sooo gut nachvollziehen, was du schreibst. Dieses weniger werdende aber doch noch im Hintergrund und manchmal auch im Vordergrund agierende Ego. Im Moment haben wir sehr viel Vergebungslektionen, bleiben wir dran.

    Herzliche Grüße, Tanja

    1. Liebe Tanja,
      das freut mich, dass du dich inspiriert fühlst und eine ähnliche Erfahrung machst.

      Unser aller Zusammensein in Konstanz hat mich auch sehr berührt, da war viel Stille und Achtsamkeit.

      Ich erlebe es so, dass es immer nur eine Lektion ist, ganz gleich, was mir weltlich begegnet: schaue ich in Angst oder in Frieden darauf?
      Und da sind jeden Tag immer in der Welt- und unserer Lebensgeschichte so viele scheinbar kleine und scheinbar große weltliche Begebenheiten, aber immer geht es nur um diese eine Frage und die Erfahrung, dass es dabei keinen Schwierigkeitsgrade oder unterschiedliche Wichtigkeiten gibt. Das finde ich ein so unendlich „einfaches“, klares Kurs-Prinzip und wirklich lösend und befreiend.
      Sei herzlich gegrüßt auf unserem gemeinsamen Weg, Katja

  2. Liebe Katja,
    wiederum vielen Dank für Deine Gedanken. Es ist schön, Dir und diesen zu folgen.
    Zum Teil Deiner Worte fällt mir immer häufiger ein, was im Kurs gesagt wurde (sinngemäß): „Möchtest du Recht haben oder glücklich sein?“
    Dies birgt auf andere Weise den Werdegang des vermeintlichen Individuums in seiner Welt, (die als einzig richtige verteidigt werden muss), hin zum Teil des Ganzen.
    Wenn wir nach jeder Handlung, Tat etc. zunächst – wie in der Grundschule – mit dem Schwamm das Vergangenen wegwischen würden, wäre die Tafel, das Jetzt, wieder vollkommen frei. Und das immer und immer wieder.
    Keine Rechtfertigung, Beurteilung, Abwehr, Angst vor Angriffen……
    Offen. Frei. Neu.
    Bis zum Wechsel des Schalters der individuellen Wahrnehmung.
    Vom Opfer zum Täter.
    Vom Dargestellten und Darsteller zum Regisseur.
    Vom Erkennen des Traums.
    Aufwachend sich des Ewigen erfreuend.
    Sein.

    1. Lieber Ulrich, vielen Dank für deine Worte. Ich finde es sehr schön, dass du uns hier auf meiner Webseite nun auch schon eine Weile mit deinen hilfreichen Kommentaren begleitest.
      Ja, es ist immer anders ausgedrückt nur die Frage: Will ich Recht haben mit meinem Ego-Sein oder glücklich sein mit dem heilen Geist in mir?
      Und ja, es ist immer nur dieser Augenblick jetzt, in dem wir darüber entscheiden ganz gleich, was wir vorher taten, dachten, fühlten.
      Wunderbar, wie du andeutest, dass es dabei noch viel weiter gehen muss und wird, nämlich vom Individuum weg hin zum Träumer, zum Regisseur des ganzen Weltenfilms mit all seinen Figuren. Und auch dieser sich auslösen wird in der Einheit.
      Liebe Grüße an dich, Katja

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