Wenn Generationen gemeinsam lachen

Meine Straßenbahn hielt.
Aus dem Augenwinkel registrierte ich links von mir Bewegungen.
Nichtsahnend schaute ich aus dem Fenster
und sah direkt in den Innenraum der Straßenbahn aus der Gegenrichtung.
Dort saßen drei Jugendliche.

Sie gestulierten in meine Richtung und einer streckte mir die Zunge heraus.
Anschließend sonnte dieser sich in den feixenden Anfeuerungen der anderen zwei,
während sich alle in den Schultern leicht geduckt und den Kopf eingezogen
die Hand vor den prustenden Mund hielten.
Ich hörte sofort mein Ego anspringen:
„Kommen sich wohl toll vor, aus sicherer Position
eine mittelalterliche 46jährige zu provozieren.
So eine Frechheit!“

Als ich diese Ego-Wut Bruchteile von Sekunden nur wahrnahm,
sprang etwas in mir um und Entspannung machte sich breit.
Ehe ich mich versah, streckte ich nun den Dreien ebenfalls die Zunge heraus.
Als ich in ihre völlig verdutzten Gesichter schaute,
schob ich noch etliche variantenreiche Grimassen hinterher
und winkte und hielt den Daumen hoch.

Urplötzlich brachen sie und ich in schallendes Gelächter aus.
Unsere Straßenbahnen fuhren an und wir verdrehten die Hälse nacheinander,
um uns noch möglichst lange zu sehen und winkend zu verabschieden.
Dann erst registrierte ich auch herzliches Lachen hinter mir.
Ich drehte mich um und schaute in das Gesicht einer Seniorin,
die sich vor Lachen gar nicht mehr einkriegte.

„War doch richtig gewesen, oder?“, fragte ich kichernd.
„Ja, herrlich!“, nickte sie heftig glucksend.
„Na also, da haben wir doch alle etwas zum Lachen gehabt“, war ich zufrieden.

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