Weiße Lilien – zum Zweiten

Im Hotel im Urlaub.
Zuerst hatte ich mich über die weißen Lilien in der Vase
auf meinem Frühstückstisch gefreut.

Sie erinnerten mich an die Vergebung des Kurses und lösten
– gemeinsam mit den großen Brotkrumen auf dem Grund der gläsernen Vase –
eine kraftvolle positive Assoziationskette in mir aus.

Doch dann regte ich mich plötzlich über denjenigen auf,
der die Brotkrumen in die Vase geworfen hatte
– so schnell ist das Schwanken,
– so unterschiedlich kann auf die gleiche Tatsache reagiert werden.
Zudem: Das Ego muss schnell wieder zuschlagen,
wenn es spürt, dass ihm gerade mächtig die Macht entzogen wird.

Doch ich beschloss erneut:
Ich will mich nicht mehr über Brotkrumen,
andere und das Ego aufregen,
weil ich nicht mehr leiden will!
Ich will jedes Leiden in mir aufdecken.
Ich will!
Um ins Licht der Liebe zu gelangen.

Am nächsten Tag nahm ich an einem Tisch Platz,
bei dem keine Brotkrumen in der Glasvase waren.
Auf dem ersten Blick sah ich auch keine weißen Lilien darin,
sondern nur „enttäuschende“ weiße Nelken.

Ich sah mich um.
„Frechheit“, fand mein Ego,
„überall so herrliche weiße Lilien auf den Tischen
– und oh, tatsächlich auch bei allen dazu weiße Nelken!
Wie schön diese Kombination ist – und bei mir?“

Mein Blick schweifte zurück auf „meine“ Vase
– und da sah ich nun sehr wohl auch zwei weiße Lilien
neben der weißen Nelke!
Jedoch mit geschlossenen Blüten – nur als Knospen.
Obwohl, die eine Knospe war schon minimal geöffnet.

Spontan wollte ich nun diese Vase mit einer des Nachbartisches austauchen.
Doch ich hielt inne:
„Nein, schaue es dir an.“

Es folgte wieder eine Assoziationskette:
Die weiße Nelke steht für Frieden
– und Frieden ist dein Ziel.
Dafür sind die weißen Lilien der Vergebung schon da
und schon minimal am Aufgehen.
Sind sie voll geöffnet,
stört sie kein einziger Brotkrumen mehr.
Da ist mein Weg.

Nun schloß ich den mir unbekannten Menschen in mein Herz,
der die Brotkrumen wohl aus Jux hineingeworfen hatte,
einfach um witzig zu sein.
Wie oft schon habe ich irgendeinen witzig gemeinten Blödsinn gemacht,
um meinen Spaß zu haben und bei anderen „gut“ anzukommen?

Vielen Dank, du lieber Unbekannter,
für meinen Prozess durch dich.
Und all das anhand von an sich neutralen Symbolen und Formen,
denen jeweils allein ich diese Bedeutung gebe,
die sie für mich haben.

(Notiert am 05.01.2013)

Doch dann

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.