Ohne Widerstand mit dem Widerstand

In den letzten Wochen habe ich in meiner inneren Kurs-Alltagspraxis
viel meinen Blick auf die innere Haltung des Widerstandes gerichtet.
Das hatte einen sehr erstaunlichen Effekt für mich.

Sobald mir ein Gedanke, ein Gefühl oder eine Situation bewusst wurden,
und waren sie noch so unscheinbar,
nahm ich die Haltung ein, damit nicht in Widerstand zu sein.
Ich sagte mir:
„Völlig ohne Widerstand sehe ich mir das jetzt in mir an,
lasse es zu, lasse es da sein.
Es darf sich ganz zeigen,
was ich denke und fühle.
In aller Tiefe, Heftigkeit, Scheinheiligkeit und allen Ausmalungen.
Ich halte gar nichts dagegen,
ich schaue nur ohne Widerstand hin.“
Oder verkürzt sagte ich mir oft: „Ohne Widerstand“,
wenn ich nach innen und außen schaute.
Scheußlichste, angstvolle, hasserfüllte, schuldbeladene,
trennende, vernichtende Gefühle begegneten mir dadurch
in einem ungewohnten Ausmaß und ungewohnter Häufigkeit
schon bei scheinbar kleinsten Anlässen.
Die ganze Wucht, die wirkliche Nacktheit des Ego zeigte sich.

Das sehr Erstaunliche war, dass, hatte ich wirklich keinen Widerstand,
wollte ich nichts davon eindämmen, ablehnen, verändern, schönreden oder rechtfertigen,
ich sofort in einen sehr tiefen Frieden eintauchte.
Das Egodenken und -empfinden verpuffte einfach,
wenn ich nur schlicht sah, was da war,
ohne irgendetwas dagegenzustemmen
oder aktiv hineinzugehen.

Ich ließ einfach alles zu und hochkommen,
was eh schon da war und sich nun noch deutlicher zeigen konnte.
Dabei bedeutete „ohne Widerstand“ für mich auch:
ohne Auswahl, ohne Urteil, ohne Schuld.

Ich habe ähnliches auch schon erlebt mit den Haltungen
„Ich will in Frieden darauf schauen, dass ich im Ego bin“
oder „Ich will ohne Urteile auf all meine Urteile schauen“,
die im Prinzip keine anderen Haltungen sind.
Haltungen der Liebe des heilen Geistes,
der durch nichts gestört wird.
Doch irgendwie geht es bei mir zurzeit mit dem „ohne Widerstand“
gefühlt noch direkter, tiefer, schneller.
Wobei der tricky Trick ist, eigentlich nichts erreichen zu wollen,
sondern nur ohne Widerstand mit dem zu sein, was gerade ist.

Ich mache keine große Übung daraus,
setze mich nicht extra dafür hin (außer manchmal),
sondern mitten im Alltag, im Handeln, im Zuhören und Reden
denke ich immer wieder kurz „Ohne Widerstand“,
wenn ich mir meiner inneren Vorgänge bewusst werde.

Mir ist auf diese Weise so tief erfahren deutlich geworden,
dass ich fast ständig im Widerstand bin,
wenn ich nicht bewusst bin,
– gegen alles und nichts.
Ständig will ich mich und andere manipulieren.
Sogar wenn ich bewusst werde,
will ich auch das oft noch dafür nutzen,
irgendwie etwas zu kontrollieren, zu manövrieren, auszurichten.
Auch das ist noch Widerstand.

So klar ist mir geworden:
Das Ego ist Widerstand pur.
Widerstand gegen Gott.
Widerstand gegen meine Wahrheit und Liebe.

Schaue ich mir diesen Widerstand
ohne Widerstand an,
verschwindet der Widerstand
in friedvoller geistiger Losgelöstheit.
All die Egogedanken und -gefühle fließen nur durch meinen Geist,
der sich dabei im Frieden verankert
und dieser Frieden findet dann in meinem Welten-Alltag einen Ausdruck.

Nur mein Vergessen immer wieder im Ego hält mich auf
– doch nicht wirklich.

7 Gedanken zu „Ohne Widerstand mit dem Widerstand

  1. Danke für diesen Erfahrungsbericht, liebe Katja! Inspirierend! Der Heilige Geist sieht die Trennung als das was sie ist: Nichts, eine Illusion. Weshalb in Widerstand gehen? Im Widerstand wird das Illusionäre vermeintlich wahr gemacht. Der Heilige Geist sieht die LIEBE als das, was sie ist: Alles. Weshalb in Widerstand gehen? Im Widerstand würde sie in Frage gestellt. Alles, was mir zustösst, ist zu meinem Besten, mein Bruder ist mein Erlöser! Joyful acceptance….

    1. Lieber Rodolfo, so ist es, ich stimme dir voll zu. Und ich möchte ergänzen: Alles, was ich zuvor gegen mich verwendete, ist zu meinem Besten, wenn ich es nun für die Rückkehr zur Liebe nutze.

  2. Liebe Katja
    Vielen Dank für deinen Bericht. Sehe mich genau da drin.. Mache grade echt die Hölle durch schon bald 1 Jahr.. Möchte immer da raus und es besser können.. Möchte immer mich nicht identifizieren mit dem Verstand und es gelingt mir nicht.. Andauernd die schlimmen Geschichten..Mein Problem ist auch der Wiederstand. Ich bin dir grade sehr dankbar. Einerseits dass es anderen auch so geht und ich nicht alleine damit bin und andererseits sehe ich ev einen Weg. Es steht mir immer die Angst im Wege vor dem Ego und es wehrt sich alles.. Danke für die Tipps und die Erinnerung. Und freue mich dich mal kennenzulernen. Herzliche Grüsse
    Vielen Dank.

    1. Hallo, liebe/r Waibel, danke für deine Offenheit, ich kann dich so gut nachempfinden. Wir sitzen alle im gleichen Boot. Im Kurs steht sinngemäß: „Fürchte dich nicht vor dem Ego, es ist nichts ohne dich.“ Ohne meine Wahl des Ego ist es verschwunden. Theoretisch ist das klar, in unserem Erleben ist es sehr oft ganz anders. Es scheint ein Eigenleben zu haben. Es ist sehr paradox, dass wir gerade am Ego festhalten, wenn wir an ihm leidend aus ihm heraus wollen, etwas anders und besser machen wollen und uns dabei ständig selbst beschuldigen, wie unfähig wir doch sind. In meiner Erfahrung ist das neutrale Beobachten des Ego ein Schlüssel. Nichts damit tun, nur präsent sein. Das ist bereits das Hereinbitten des Heiligen Geistes. Es klingt so einfach, doch tief unbewusst macht uns auch das eine höllische Angst, weil wir eben doch noch so sehr mit dem Ego und seinen Schuldgeschichten und großer Angst vor Gott und Liebe identifiziert sind. Es ist wirklich verrückt: wir haben Angst vor dem ganzen Ausmaß des Ego und wir haben Angst vor Gott wegen des Glaubens an das Ego. Was für eine Zwickmühle! Also gehen wir Schritt um Schritt und erfahren so, dass uns nichts Schlimmes geschieht, wenn wir uns alles anschauen, sondern uns der Frieden mehr und mehr trägt.

  3. Liebe Katja,
    vielen Dank für deine Anregungen!

    Ich bin eigentlich doch quasi immer im Ego, ohne das könnte ich ja diesen Traum nicht wahrnehmen. Also verheddere ich mich oft darin, ohne Widerstand schauen zu wollen und dann den Quergedanke anzunehmen, „wer“ da jetzt was wahrnimmt. Das irritiert mich sehr. Ich bleibe in letzter Konsequenz dann doch im Widerstand – oder ?

    Herzlich, Gabriela

    1. Liebe Gabriela,
      ja, das stimmt, die Welt ist vom Ego gemacht und lassen wir es komplett los, ist die Welt nicht mehr und wir sind uns wieder ganz der Einheit Gottes gewahr. Das ist das Ziel des Kurses. Aber dafür ist zunächst die Bedingung zu erfüllen, angesichts der Welt ganz im Geistesfrieden zu ruhen, denn nur selbst ganz in Frieden kann ich in den Frieden Gottes wieder aufgehen. Ich kann nicht ein Fitzelchen Unfrieden in den Frieden mitbringen. Also üben wir uns darin, nicht mehr weiter mit dem Ego auf das Ego und die Ego-Welt zu reagieren solange wir beides noch wahrnehmen. Es geht darum, mit dem Heiligen Geist darauf zu schauen und mit Liebe statt mit weiterer Angst, Schuld und Trennung zu reagieren. So lockern wir unsere tief unbewusste Hingabe an das Ego und bringen sie zum Licht der Auflösung.
      Kannst du meinem Verständnis folgen? Ist dir noch etwas unklar? Liebe Grüße, Katja

      1. Mir ist noch etwas eingefallen, liebe Gabriela, zu deiner Frage, wer wahrnimmt. Wahrnehmen tut der Träumer des Traumes den Traum. Er träumt die Trennung und Welt. Das an sich ist zunächst keine Tragik, es ist laut Kurs schlicht eine Wahnidee. Nur dass der Sohn Gottes als Träumer vergaß, über diese Wahnidee zu lachen und sie ernst nahm, sich damit identifizierte und somit aus dem Frieden fiel, ist das Problem und macht alles zu einem Problem. Der Trennungsgedanke (= das Ego) an sich ist jedoch bedeutungs- und wirkungslos, wenn der Träumer ihm keine Macht mehr gibt. Und so besteht also die Wahl in unserem Träumer-Geist, auf den Trennungsgedanken mit Angst und Widerstand zu reagieren oder mit Liebe und Frieden.

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