Blindgänger

Fremdgehen und Unehrlichkeit zwischen Menschen
sind nur ein Gleichnis des Urirrtums
und ein Abbild dessen,
was in unser aller Geist ständig geschieht:

Ich wende mich von der einzigen Liebe ab,
die es wirklich gibt
und die wir sind
und suchen sie,
wo sie nicht zu finden ist.

Immer, wenn ich im Ego bin,
bin ich unehrlich.
Meine Gedanken und Gefühle
sprechen dann nicht von der Wahrheit.
Ich gehe mit dem Ego fremd
und betrüge mich einzig selbst,
während ich auch alle anderen zugleich betrüge.

Doch Gott, der mich niemals fortgehen ließ,
wartet ohne Schuldzuweisung
freudig auf meine Heimkehr.

Und mit mir
kehren alle gemeinsam zurück.
Denn nur mit ihnen allen im Sinn
ist meine Rückkehr möglich.

6 Gedanken zu „Blindgänger

  1. Was für ein starker Text, Katja!

    Ich hatte noch eine Menge mehr geschrieben, aber dann alles wieder gelöscht, das hier ist mehr als genug: was für ein starker Text!

    herzlich, Michael

    1. Danke, Michael, das Thema Ehrlichkeit beschäftigt mich schon eine Weile und ich versuche diesbezüglich brutal ehrlich mit mir zu sein. Das Wort „brutal“ lässt mich in diesem Zusammenhang fast erschrecken, doch es ist mir zugleich genau das richtige Wort und ganz frei von der Gewalt, die darin anklingen mag.
      Ich habe mich schon in zwei weiteren Beiträgen mit dem Thema beschäftigt und wenn dir – oder / und anderen Lesern – dazu weitere Gedanken kommen, bin ich sehr dankbar über jede Anregung. Hier die anderen Beiträge:
      „Lug oder Betrug oder Ruf nach Liebe“ vom 3.9.2016 in der Kategorie „Beziehungen“, zu dem es auch schon sehr hilfreiche Kommentare für mich gab
      http://grundlosglücklich.de/lug-und-betrug-oder-ruf-nach-liebe/
      und
      „Der Weg mit Ein Kurs in Wundern führt durch das Ego“ vom 28.08.2014 in der Kategorie „Das Ego und die Angst“
      http://grundlosglücklich.de/der-weg-fuehrt-durch-das-ego/

  2. „Brutal“ i.S. von konsequent. Ich habe jetzt deine beiden anderen Beiträge zur „Ehrlichkeit“ gelesen. Anneke hat ja auch wunderschön kommentiert! Seit meine leibliche Schwester gestorben ist, empfinde ich immer eine so helle Freude, wenn „sie“ wieder auftaucht wie in einem solchen Kommentar, der von einer wahren SCHWESTER geschrieben ist.

    Liebe Katja, du hast alles gesagt in deinem „Blindgänger“-Text. Ich bin ganz still geworden daran.

    Die ANTWORT ist uns gegeben. Wir erzählen uns mit allen unseren Beziehungen hier in dieser Welt von unserer Beziehung zu GOTT. Die Welt ist nichts anderes als diese Erzählung. Was „tut“ der Terrorist? Er erzählt von seiner Untreue und seiner Unehrlichkeit GOTT gegenüber. Und in der Regel hört ihm niemand zu, weil alle anderen in die Erzählungen ihrer eigenen Untreue verwickelt sind.
    Wir haben uns neulich, nach dem Anschlag in Berlin, im Gespräch vorgewagt bist zu dem „Täter“, und „brutal“ ist nur die letzte Konsequenz: Das sind wir selbst, die wir uns von der LIEBE abgewendet haben und jetzt, so oder so, davon erzählen MÜSSEN.
    Wir KÖNNEN hier gar nicht treu und ehrlich sein, denn dann könnten wir nicht mehr von unserer UNTREUE erzählen. Unsere Beziehung zu GOTT ist unauslöschlich in unserem Geist und bestimmt unser Leben.

    „Brutal“. So kann sich das anfühlen. Aber du sagst auch: dieses „brutal“ sei frei von Gewalt. Es ist nur: der Beginn wahrer Ehrlichkeit, der Beginn unseres bewussten Weges zurück. Wenn ich aufrichtig bin, an dieser tiefsten Stelle meines Hierseins, schimmert immer gleichzeitig die Erlösung durch das Fenster, das ich nie habe ganz verschließen können: ER IST MIR TREU, und ER IST EWIG EHRLICH MIT MIR! Das eine gibt es nicht ohne das andere, und nur das macht unseren Vergebungsweg möglich.
    Jetzt kann ich auf DIE LIEBE zugehen, dem HG folgend, der mich führt, und jetzt fängt meine „Treue“ hier in den Beziehungen dieser Welt und auch meine Ehrlichkeit fängt an, eine Widerspiegleung SEINER TREUE zu UNS zu sein. Und dann ist sie echt. Und hält.

    Ich glaube zum Beispiel, dass ich großes Glück hatte, erst sehr spät geheiratet zu haben. Als ich in einer kleinen Kapelle auf der Schwäbischen Alb vor Pfarrer Achilles Motumbo aus Nigeria meiner Frau das „Ja“-Wort gegeben habe, war es im Kern schon ein „JA“ zu GOTT. Und das setzt uns nie unter moralischen Druck, sondern macht uns frei für unsere TREUE, die sich im Verhalten zu dem, dem wir unser Wort gegeben haben, endlich wieder spiegeln kann, weil die Erzählung unserer Untreue erhört worden und mit Güte und Vergebung beantwortet worden ist.

    Und das macht uns frei, für alle zu sehen und einander zu sagen, dass wir uns lieben und nie etwas anderes wollten als das. Dann haben wir uns angehört und verstanden, erst dann.

    Noch mal ein herzliches Danke für deine Zeilen, wie immer spürt man, dass du lebst, von was du sprichst, du gehst den Kursweg wirklich, und das ist für uns alle hier so eine große Hilfe!

    herzlich, Michael

    1. Lieber Michael, ich habe jetzt täglich erneut deinen Kommentar gelesen und ich blieb mit Unverständnis an manchen Worten hängen. Doch heute ist beim Lesen der Inhalt deines Textes ohne Widerstand in mich eingedrungen. Ich danke dir sehr und still …

  3. Wenn ich genau weiss das jemand seine Ehepartner betrügt und sie anlügt ist es dann ok? Also ist das geklärt per EKIW , dass das erlaubt ist? Darf man alles tun wenn man den Kurs macht? Alles wonach einem ist weil es ja die Sünde gar nicht gibt?

    1. Liebe July, puuuhhh, zur Beantwortung deiner Fragen aus meiner Sicht muss ich etwas weiter ausholen.

      Zunächst ist mir eine Begriffsklärung wichtig. Es ist der Gedanke der Trennung, der im Kurs als Sünde bezeichnet wird – es geht dabei nicht um Handlungen, die wir üblicherweise als Sünde bezeichnen (zum Beispiel Betrug). Und dieser Gedanke der Trennung und seine Folgen können eigentlich nie stattgefunden haben, weil sich aus der Einheit nichts heraustrennen kann, denn dann wäre es keine Einheit mehr. Insofern hat Sünde, wie du sagst, nie stattgefunden.
      Der Kurs sagt uns vielmehr, es gibt nur EINS: nur formloses, ungetrenntes „Gott / Liebe ist“. Dies kann also nichts mit unserer Welt der Formen zu tun haben und mit dem, was hier alles vor sich geht. Eigentlich ist also diese ganze Welt und alles in ihr nie passiert.

      Doch wir glauben daran und deswegen scheinen wir die Welt und uns als Körper zu erleben. Und genau da holt uns der Kurs ab und tut nicht so, als sei die Welt gar nicht und ich könne daher in ihr tun, was ich wolle. Der Kurs bringt uns stattdessen bei, auf diese Welten-Illusion, die uns so wahr erscheint, anders zu reagieren: nicht mehr weiter mit Ärger, Angst, Trennung usw. (womit wir sagen, sie ist wahr), sondern mit Frieden und Liebe.
      Denn nur wenn wir wieder ganz in Frieden und Liebe in uns ruhen angesichts der Welt, erkennen wir, dass sie keine Wirkung mehr auf uns hat und nicht wahr sein kann. Dann wird uns unser wahres Sein der puren Liebe in Gott wieder voll gewahr und der Weltentraum endet.

      Das heißt also, der Kurs nutzt gerade die Illusion / die Welt und alles, was uns darin begegnet – und geht nicht darüber hinweg! Es geht explizit darum, mir meine Gedanken, Gefühle und Handlungen genau anzuschauen. Und zu beobachten, ob sie von Angst / Ego oder Liebe /Heiliger Geist geleitet werden. Solange wir uns im Traum und als Körper erleben, werden wir also durch den Kursweg angeleitet, durch unsere innere Wahl immer mehr Liebe ausdrücken.

      Ich persönlich bin der Überzeugung, dass bei einer Verabredung zu einer monogamen Paarbeziehung in einem Geisteszustand wahrer Liebe kein Fremdgehen entstehen wird bzw. es ehrlich dem anderen mitgeteilt wird, wenn sich das sexuelle Interesse verändert. Ich selbst finde, dass der Partner ein Recht darauf hat, zu wissen, in was für einer Art Beziehung er sich befindet, um sich damit auseinandersetzen und sich in der Form (polygam oder sich trennen)entscheiden zu können.
      Nur weil ich Kursschüler/in bin und der wahren Liebe folge(n will), werde ich nicht zu allen Formen der Welt Ja sagen. Ich werde nicht sagen, dass okay ist, andere Menschen umzubringen oder das hinter dem Rücken fremdgehen okay ist. Aber was sich ändert, dass ich sehe, dass auch der andere aus dem Ego, aus Angst, aus einem Ruf nach Liebe handelt. Wie ich auch so oft noch.

      Und nochmals ganz klar: Nein, wir können den Kurs nicht als Alibi verwenden, hier alles zu tun, was wir wollen… denn es geht ja gerade darum, nicht mehr aus Angst, Hass, Mangel usw. zu handeln, sondern alle Egomotive aufzuheben. Das führt zu einem wirklich liebevollen Umgang mit allen. Und zu einem liebevollen Umgang zähle ich persönlich nicht, dass einer in einer monogam verabredeten Beziehung sexuellen Umgang mit anderen pflegt und dies dem Partner nicht mitteilt.

      Es geht immer darum, als Kursschüler zuerst bei sich selbst zu beobachten, wie wir auf eine Situation, uns und alle anderen schauen – in Verurteilung oder in Liebe. Es geht darum, dass wir uns selbst in uns für die Liebe entscheiden. Und aus der Liebe werden wir auf die richtige Weise sprechen und handeln und keinen Beteiligten verurteilen. Ein hohes und lohnendes Ziel.

      Kannst du mit meiner laaaangen Antwort etwas anfangen, liebe July? Frage gerne weiter, wenn dir danach ist.
      Alles Liebe wünsche ich dir, herzlich, Katja

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