Verliebte Kursschülerin

Verliebtheit,
die berühmten Schmetterlinge im Bauch,
fühlen sich zunächst sooooo schön an
– und sind doch pures Ego.

Denn wenn ich genau hinspüre
und das Gefühl in Bauch immer stärker wird,
bemerke ich,
dass es sich in Wirklichkeit
sehr mulmig anfühlt …
und tatsächlich (!)
… nach Angst.

Ich sehe,
obwohl meine Gefühle erwidert werden,
wie ich in diesem Zustand,
jedes Wort und Tun der „Zielperson“😉
besonders auf die Goldwaage lege,
und total empfänglich für Deutungen gegen mich bin,
während ich hoffe,
nur ständig gesagt und gezeigt zu bekommen,
wie sehr ich gemocht werde.
und dass ich für jemand Besonderen
besonders bin.

Mangel, Verlangen, Sehnsucht,
Vermissen, Hoffnungen, Erwartungen,
Gefühlsabhängigkeit, Gedankenfixierung,
Enttäuschung und Schmerz vorgrogrammiert …
Das ist weder schön,
noch zeugt es vom Heilsein,
noch ist dies wahrhaftig Liebe.

Beobachten, nur beobachten … 😊

Und dann kehrt Stille ein, Ruhe, Weite.
Eine Liebe umfängt uns alle,
die aus der Fülle gibt
– jedem –
angepasst an die Form der Beziehung
in immer gleicher bedingungsloser Qualität.

Angekommen.

32 Gedanken zu „Verliebte Kursschülerin

  1. Ich fühle mich ein bisschen wie ein türklinkenputzender Vertreter für HG-Funken, wenn ich schon wieder mit sowas Haarspalterischem komme, aber das „pure Ego“ macht mich ganz nervös, und dann klingel ich halt wieder, auch wenn’s noch so früh am Morgen ist. Jemand da? Hallo?

    Was ist „pures Ego“? Doch unsere Deutung dessen, was geschieht, wir schieben all unserer Wahrnehmung den Trennungsgedanken aktiv weiter unter, der sie, die Wahrnehmung, erst hervorgebracht hat. Wir nichtvergeben.
    Aber immer noch sind WIR es, DIE das tun.
    Und das übersehen wir bei unseren Ego-Deutungen, während es WAHR bleibt. Wenn diese WAHRHEIT dann bei uns anklopft, was sie ja ständig tut, also wenn wir uns dagegen nicht mehr verschließen, dann nehmen wir UNS plözlich mitten in der illusionären Wahr-nehmng WAHR: Als DIE, DIE mit all ihren Beziehungen zueinander von IHRER QUELLE erzählen, und dies „Erzählen“ ist unausweichlich.

    Der Bankräuber, der bei seinem Überfall jemanden erschießt, erzählt jenseits aller Deutungen seiner Tat durch ihn selbst oder die Beteiligten in höchst verzweifelter und blinder Form immer noch von seiner Sehnsucht, dass ihm auch diese „endgültigen Beweise“ der Wirklichkeit der Trennung, die er gerade erbracht zu haben glaubt, doch nicht endgültig seien mögen und ihm in den Augen der LIEBE vergeben IST.

    Während das in diesem Fall ein „Funke“ ist, der nur noch von einem VERGEBENDEN wahrgenommen werden kann, lässt die verliebte Kursschülerin die Funken doch nur so sprühen mit ihren Schmetterlingen! Und auch wenn sie sie noch so in ihrem Ego-Käfig gefangen halten will, weil ihr Ego gerade hier aufgeschreckt von so viel Schmetterlingsfliegerei heftig mit der Angstpredigt dagegenhält, liegt ihre Erzählung von der Sehnsucht nach der Verbindung mit dem Anderen als EINS schon sehr viel offener für alle sichtbar zu Tage.
    Der Bankräuber hat es vielleicht sogar wirklich im Einzelfall „leichter“, falls er auf VERGEBUNG trifft, diese auch anzunehmen, denn er hat nicht viel zu verlieren, und die Verliebte wird sich möglicherweise schwerer tun, das fallen zu lassen, was ihr das Ego von der Perspektive des Schmetterlingsflugs einflüstern will, weil da viel Aussicht auf „Reichtum“ drinliegt. Und dennoch hat sie niemanden verletzt und wenn sie bereit ist, den Käfig für die Schmetterlinge zu vergeben, muss sie auf niemanden anderen warten, der das für sie tut. Sie kann sich hinsetzen, wie du es getan hast, und BEOBACHTEN: ihre Egoverstricktheit sehen und dabei ihrer eigenen „Erzählung“ von der LIEBE zuhören und darin die STILLE zu sich kommen lassen, die ihr den Glauben an den Käfig nimmt, und kann die Schmetterlinge in die Freiheit entlassen. In diese Lage kommen wir erst, wenn wir aus den „negativen“, verletztenden Erzählformen einigermaßen heraus sind, mit denen wir ja gerade sagen, dass wir aus eigenem Impuls nicht vergeben zu können glauben.

    Jedenfalls, das wollte ich eigentlich nur sagen :-), gibt es das Ego im Unterschied zum HG nur in unserem Glauben, und der KANN nie pur sein, weil WIR dabei SIND. Damit muss ich nichts mehr „ablehnen“, keine Form der „Erzählung“ und auch „das Ego“ nicht, weil ich darauf vertraue, dass EINER UNS ZUHÖRT. Mein Bruder hat immer recht!

    Alles Liebe für alle verliebten Kursschüler/innen und die, die sich mit ihnen freuen können, und natürlich auch für die, die das nicht können oder wollen und alle anderen, also für alle, sozusagen.
    Michael

    1. Lieber Michael,
      das hat noch niemand bei mir geschafft: all meine Ego-Vorurteile gegenüber Vertretern purzeln dahin angesichts deiner so freundlichen Weise, mit der du meine Türklinke putzt – zu unser beider Gewinn und sogar ohne Kleingedrucktes.
      Schön, dass du auch ganz herein gekommen bist und lass uns einander weiter begegnen.

      Also: Einigkeit hatten wir ja schon in den Kommentaren des Blog-Beitrages „Lasse nichts aus“ darin gefunden, dass wir nie ohne den Heiligen Geist und unser wahres Sein sind. Dazu sage ich absolut Ja!

      Doch in Sachen Verliebtheit betreibe ich gerade täglich eine brandaktuelle interne Feldstudie und gehe mit der Lupe gaaaanz nah heran. Verliebtheit fühlt sich gar nicht schön an. Ehrlich, es geht mir dabei tatsächlich schlecht! Ich bin weit jenseits von meiner Mitte, Klarheit, getragener Ruhe, Geborgenheit, Frieden und Liebe. Und tatsächlich verfliegt alle Verliebtheit augenblicklich, sobald ich im Heiligen Geist ruhe und sogleich dehnt sich bedingungslose Liebe aus, auch zu meinem Partner. Keiner der im Beitrag beschriebenen Verliebtheitssymptome (Mangel, Vermissen, Sehnsucht, Erwartungen, Hoffnungen, Gefühlsabhängigkeit, Gedankenfixierung, Enttäuschung, Schmerz …) bleiben mehr übrig, auch die Schmetterlinge nicht. Sie sprühen keine echten, sondern Pseudo-Funken. Sie sind nur wandlungsfähig wie das facettenreiche Ego eben ist, dass dennoch Ego bleibt. So sind Schmetterlinge verwandelte Raupen, die sich in die Dunkelheit einspinnen und danach nur schillernder erscheinen und daher dem Licht näher. Sind sie aber nicht. Das ist die Ego-Täuschung, womit es uns an sich zu binden sucht, denn es scheint doch zunächst soooo viel schöner und heller als die augenscheinliche Dunkelheit, was es aber wirklich hingespürt nicht ist. Das meine ich damit, das Verliebtheit pures Ego ist, nicht zu verteufeln oder zu verherrlichen, sondern schlicht zu sehen, was es ist – und parallel bin ich natürlich die ganze Zeit in Wirklichkeit funkelnde LIEBE, auch während ich an Verliebtheit glaube und sie zu erleben scheine. Doch meine Ego-Identifikation überdeckt diesen Zugang für mich in diesen Zuständen und ich scheine MICH zu verlieren – und den anderen ebenso. Ich sehe ihn nicht wirklich! Ich meine nicht ihn mit meiner Verliebtheit, sondern nur mich in meiner empfundenen Bedürftigkeit. Sicherlich ist das aus der so gewohnten Ego-Sicht total ernüchternd, durchaus gar schockierend, sodass schnell wieder die Tendenz da ist, es abmildern und doch etwas Gutes darin finden zu wollen. Aber da ist kein WIR als EINS mehr im Blick, obwohl es natürlich dennoch da und wahr ist, wie du ganz richtig betonst.
      Bewusst mit dem Heiligen Geist verbunden ist meiner derzeitigen Erfahrung nach Verliebtsein nicht möglich (nur eben unbemerkt parallel ist der Heilige Funken dabei auch da), weil Verliebtheit keine Liebe ist, sondern eine Ego-Spielart der Angst, Schuld und Trennung. In deinem Sinne gesprochen, jedenfalls wie ich dich zu verstehen meine, ist Verliebtheit natürlich ein Ruf nach der wahren Liebe und so ist auch irgendwo wahre Liebe in diesem Ruf, aber dennoch ist für mich Verliebtheit eine Ego-Äußerung der „falschen“ Liebe, der Nicht-Liebe, eine Variante der besonderen Ego-Liebe. Und, ja, natürlich: ohne dass dies zu verurteilen ist.

      Ich erlebe deine Worte als sehr berührend und erinnernd. Und so kommt mir gerade der Gedanke, lieber Michael, das wir einen etwas unterschiedlichen Fokus auf das letztlich übereinstimmend Gleiche beschreiben und beide sind wahr.
      Ich empfinde es für mich gerade als hilfreich, ganz eindeutige Zuordnungen zu treffen, welchem Denksystem, und somit der falsch- oder rechtgesinnten Wahrnehmung, ich gerade als Beobachter folge, wie es sich anfühlt und was das mit mir macht.
      Du scheinst mir gerade den Augenmerk darauf zu legen, in und hinter allem unsere Einsgesinntheit, unsere Essenz, unser nie verloren gegangenes Sein – Gott – wiederzufinden.
      Dies beides zusammengenommen lässt mich mal wieder wortlos werden und gaaanz tief ein- und ausatmen, angehaucht von … poahhhhh ….

      Ich danke dir, Michael, du kannst jederzeit gern wieder meine Türklinke putzen und eintreten. Bist ja ebenso wie ich eh nie fortgegangen. 😉

      1. Ich verstehe den Aspekt, den du betonst, natürlich gut.
        Und vor allem bin auch ich definitiv sicher, dass „wir das Gleiche beschreiben“, wie du sagst, ich würde dazu sagen: dass wir dieselbe Perspektive nicht aus dem Auge lassen. Und die schaut auf ein WORTLOSES ZIEL und beinhaltet Konfliktlosigkeit.
        Wenn wir miteinander sprechen, müssen wir authentisch bleiben und uns auf unseren Erfahrungshintergrund beziehen, aber solange wir die PERSPEKTIVE halten, KANN das nur bedeuten, dass sich irgendwann alle Aspekte und Unterschiede versöhnen werden.
        Deshalb bin ich auch sehr dankbar für diesen Ort des Gesprächs, weil du in sehr hohem Maß vorlebst, dass Authentizität und Beibehaltung der PERSPEKTIVE in dir Vorrang haben vor Rechthabenwollen und einem Sich-Verbeißen in derzeitige Standpunkte.
        Ich hoffe, das können alle hier so sehen, das wäre eine großartige Basis für jede Menge Inspiration und gegenseitige Bereicherung.

        Gleichwohl teile ich hiermit meine folgenschwere Entscheidung mit, fürderhin nur noch mit Vorwerk-Staubsaugern von Tür zu Tür zu gehen. Der Chef meiner Drückerkolonne (Egon heißt der Typ!) hat mir gestern die Hölle heiß gemacht, weil ich wieder mal keine Funken verkauft habe. Die sind einfach unverkäuflich!
        Also halt‘ deinen Teppich fest, wenns demnächst an der Tür klingelt! Und wenn du keinen hast, bring‘ ich einen mit. 🙂

        1. Danke für deine Worte, Michael. Auch ich verstehe jenseits meines Verstandes und Verständnisses total, was du betonst – und bin voll Freude darüber.
          Aber dein Chef hat nicht wirklich hingeschaut: Du hast jede Menge Funken verk… oh, nein doch nicht, stimmt, verkauft nicht, da sie unbezahlbar sind … aber du hast sie geschenkt und sie sind alle angenommen worden.
          Staubsaugen darfst du bei mir auch gerne. Vorwerk … sag mal, sind das die Dinger, die jede Dunkelheit entfernen? Führ‘ ruhig mal vor, ich könnte da so einen Beschleuniger durchaus gebrauchen. Dein Putzen meiner Klinke war ja auch super, sie blinkt jetzt richtig. Überhaupt
          funkelt jetzt schon wieder alles viel mehr. Ganz ehrlich! 😊

  2. Liebe Katja , Lieber Michael ,
    es ist für mich so bereichernd , in euren Austausch einzutauchen. Ich finde darin so viele Antworten für mich selbst! Ihr habt ALLES gesagt.
    Ich danke euch.
    Beatrix

    1. Danke auch dir, Beatrix. Wenn wir nur ein kltzebisschen zulassen, ernst zu nehmen, was Bettina unten gesagt hat … dann ist die QUELLE wieder wirksam DA, und unser Gespräch hat IHN in unsere MITTE gelassen.
      Wow!

  3. Danke für die Funkenflüge 🙂
    Das ist mir gerade eingefallen:
    Freunde setzen Feinde voraus. Da ist bei z.B. Liebespärchen immer auch Angst im Spiel. Die „Zielperson“ könnte sich auch plötzlich abwenden und was ist dann?
    Brüder setzen den VATER voraus.
    Da gibt es keine Zurückweisung, ist unmöglich. Auch wenn sich die Formen trennen – die LIEBE IST.

    1. „setzen den VATER voraus“, gar nicht so einfach, laut auszusprechen, jedenfalls geht es mir so. „Vater“ ist ein mächtiges Wort, wie „Mutter“ natürlich auch. Was da alles dranhängt! Große Teile der weltlichen Vertrauensbildung schon mal, und das ist nicht wenig.
      Brüder setzen den VATER voraus. Sie haben die QUELLE wieder akzeptiert, für sich selbst und für alle anderen, auch ihre Väter und Mütter.
      Das ist der entscheidende Schritt, finde ich auch.

      Danke, Bettina

  4. Bei diesem Thema ergibt sich für mich folgendes Fazit:

    Verliebt-Sein ist nicht In-Liebe-Sein. Verliebt sein hat zu tun mit Sehnsucht, erotischer Anziehung, Faszination, Bewunderung, Eroberung, Einverleibung, Besitz. Ein unglaublicher Kitzel, der schon zig Millionen Menschen den Kopf verdreht hat. „Liebe macht blind“, sagt das Sprichwort, meint in Wahrheit nicht Liebe, sondern Verliebt-Sein. Das Besondere daran ist, dass Verliebt-Sein scharfe Grenzen zieht, zwischen dem, in den man verliebt ist, und jene, in die man nicht verliebt ist. Verliebt-Sein ist äußerst fragil, denn es stellt Bedingungen und ist abhängig von Erwiderung. Wird es nicht erwidert, schlägt es sofort um Liebeskummer, in Obsession und vielleicht sogar Depression. Dann ist das „Herz gebrochen“. Demgegenüber ist In-Liebe-Sein nicht abhängig von Erwiderung. Natürlich macht es glücklich, wenn Liebe erwidert wird, aber es besteht keine Abhängigkeit. In-Liebe-Sein strahlt auch aus. Es gibt keine scharfen Grenzen zwischen dem einen Geliebten und anderen Menschen. Auch wenn nur mit einem Menschen Intimität geteilt wird, so strahlt die Liebe auch auf alle anderen aus.

    Interessanterweise ist das Verliebt-Sein offenbar kein angeboren-natürliches Bedürfnis des Menschen. Es ist eher ein kulturelles Phänomen. Seit dem Mittelalter haben Minnesänger ihre Angebetete (!) besungen und bezirzt. In anderen Kulturen, gerade archaischen, gibt es dieses Phänomen offenbar nicht. Die kommen gut klar ohne Verliebt-Sein. Dennoch würde wohl kaum jemand behaupten, dass diese Menschen nicht zur Liebe fähig seien.

    Und jetzt lese ich grad diese Nachrichtenmeldung: „Vor einer romantischen Überfrachtung von Liebe hat der katholische Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen gewarnt. Viele Menschen seien von den Erwartungen großer Gefühle und dauerhaften
    Glücks aus Popsongs und Hollywood-Filmen geprägt, schreibt
    Algermissen in seinem Fastenhirtenbrief 2017. «Die Ehe, wie wir
    Katholiken sie verstehen, leugnet romantische Sehnsüchte nicht. Aber
    sie ist ein klares Statement gegen die Übersteigerungen und
    Zumutungen romantischer Liebe.» In den vergangenen Jahrzehnten sei
    mehr über die Schwierigkeiten von Ehen gesprochen worden und «zu
    wenig davon, dass wir sie für eine überzeugende, zeit- und
    menschengemäße Lebensform halten». Die Liebe der Eheleute wisse sich in der göttlichen Liebe geborgen.“

    Nicht schlecht, meint

    Tom

    1. Lieber Tom, das sind gute weitere Gedanken und Beschreibungen zur Verliebtheit: der Bezug auf nur einen Menschen und das Leiden, wenn es nicht erwidert wird. So wird Verliebtheit in aller Regel definiert.
      Echt, gibt es archaische Völker ohne Verliebtheit? Wusste ich noch gar nicht. Außer das Eskimo-Ehemänner den männlichen Besuchern ihre Frau zum Sex anbieten sollen und wenn das ausgeschlagen wird, sei das eine Beleidigung. 😳
      Kannst du von der fehlenden Verliebtheit der Völker mehr berichten? Und womit hält das Ego diese Menschen zwischenmenschlich auf Trab? Na ja, das Ego hat ja da genügend Ideen. Hält uns ja in unserem Kulturkreis auch noch mit jeder Menge anderem Zeug, auch zwischenmenschlich, in Atem. Aber Partnerschaft ist bei uns schon ein sehr großer Brocken.

      Dein In-Liebe-Sein beschreibt für mich die wahre Liebe, die dennoch Partnerschaft nicht ausschließt. Sie ergießt sich einfach in verschiedene Formen von Beziehungen und ist so in jeder Begegnung mit jedem anderen präsent.

      Folgendes war für mich sehr erkenntnisreiche:
      Wir stehen mit allem und jedem und uns selbst ständig in Beziehung in dieser Welt. Wir sind ständig in einem Bezug zu etwas, beziehen uns auf etwas, nicht nur auf Menschen, auch auf Sachverhalte, das Wetter, Institutionen, Religionen (cool, dass hier durch dich, Tom, jetzt auch ein Bischof mitredet 😄), den Beruf, Gedanken, Ideen, körperliche und psychische Zustände, Konzepte, Erfahrungen, Erinnerungen, Erlebnisse, Ereignisse … eben die ganze Welt! Und dabei steuert uns entweder das Ego oder der Heilige Geist!
      Somit haben wir uns tatsächlich nur um eine einzige Beziehung zu kümmern! Um die in unserem Geist!!! Sind wir gerade mit den Ego oder bewußt (dieses entscheidende Wort verdanke ich Michaels Kommentaren) mit dem Heiligen Geist unterwegs?! In dieser einen ständig zu beobachtenden und entscheidenden inneren, geistigen Beziehung und Situation sind sämtliche weltlichen Beziehungen und Situationen als eins enthalten. Bin ich mit den Ego, habe ich zu allem und jeden eine Ego-Beziehung (=besondere Beziehung). Bin ich bewusst mit den Heiligen Geist verbunden, habe ich zu allem und jedem eine heilige Beziehung. Beides gilt immer zu 100%. Es ist nicht möglich, im selben Augenblick zu einem Menschen eine heilige Beziehung zu haben und zu einem anderen eine Besondere. Das finde ich das unglaublich geniale und vereinfachende (aber nicht leicht umzusetzende, wie wie alle erfahren) am Kurs: wir müssen nur ständig beobachten und wählen, was in unserem Geist den Vorrang haben soll. Wow!!!

  5. Genau, Katja, die heilige und die besondere Beziehung schließen sich aus. Was aber meinst du mit „bewusst mit dem Heiligen Geist“?

    Was andere Kulturen angeht, dazu gab es mal ein tolle Doku auf arte. Und ich las auch schon einiges dazu. Partnerschaften werden dort pragmatisch gesehen, nicht romantisch. Allerdings sind die auch nicht frei von Eifersucht oder von Begehren und Verschmähen.

    1. Danke für die weiteren Infos, Tom. Also dann geht bei diesen Völkern in der Tiefe doch auch letztlich die gleiche Egonummer ab. Wir sind auch im Ego alle gleich, die verschiedenen Spielarten scheinen mir da nicht wirklich entscheidend.

      Mit „bewusst mit dem Heiligen Geist“ habe ich an Michaels Hinweis gedacht, dass der Heilige Geist / Gott natürlich immer da ist, auch wenn ich gerade dem Ego folge. Doch erst, wenn ich bewusst vom Ego zurücktrete bzw. bewusst dem Heiligen Geist zuwende, erfahre ich auch spürbar seine Liebe.
      Gut, manchmal passiert uns das auch unbewusst, auf einmal ruhen wir in der Liebe und wissen gar nicht, wie wir da hin gekommen sind. Das ist bei mir aber äußerst selten. Und wenn ich dann rückblickend genau hinschaue, war ich in diesen Momenten einfach nur präsent schauend. Genau das ist es, was ich mit dem Kurs immer öfter aber bewusst tue und so die Erfahrung der Liebe viel häufiger und klarer auftritt.
      Der Heilige Geist / Gott / unser wahres Sein sind uns unbewusst geworden und müssen uns wieder bewusst werden, indem wir uns ihnen bewusst zuwenden. Die Wahl, die wir vergessen haben, muss uns bewusst werden und bewusst praktiziert werden. Der Kurs sagt, dass die erste Spaltung im Geist Bewusstsein gewesen sei, die Ebene der Wahrnehmung. (T-3.IV.2:1 /S. 42) Kehren wir voll umfänglich bewusst zu diesem ersten Schritt mit der rechtgesinnten Wahrnehmung zurück, statt in der falschgesinnten zu bleiben, „tut“ Gott den letzten Schritt, denn es gibt nichts mehr zu lernen, der Übergang in die Erkenntnis geschieht. Und hier gibt es kein Bewusstsein mehr, weil es nichts mehr gibt, was sich etwas anderem bewusst sein kann, da keine Trennung mehr erfahren wird.
      Ist es mit dieser Erläuterung für dich verständlicher geworden?

  6. Das ist wirklich das Tolle am Kurs, dass er so einfach ist, man sich nur zwischen zwei Sachen zu entscheiden braucht. Und doch lässt es sich oft im Alltag schwer umsetzen. So hatte mich das Ego auch wieder richtig gepackt, nachdem ich es geschafft hatte, eine Woche jeden Tag eine (Wiederholungs-)Übungslektion zu machen. Die neueren Übungslektionen fallen mir manchmal schwer, da außer dem Leitsatz keine weiteren Sätze zum Wiederholen mehr vorgegeben werden, die ich mir tagsüber ins Gedächtnis rufen kann. Und auch morgens und abends kann ich mich nicht mehr so intensiv verbinden. Wie macht ihr das? Fällt euch das leicht? Wahrscheinlich fehlt mir noch die Ernsthaftigkeit dabei und das wirkliche innere Bedürfnis ist nicht so vorhanden, denn sonst ginge es bestimmt ganz von selbst, oder?

    Letztens habe ich, liebe Katja, deinen Vipassana-Bericht nochmals gelesen und überlege, das vielleicht einmal zu machen. Profitierst du denn heute noch von deinen Erfahrungen daraus? Hat sonst jemand Erfahrungen damit gemacht?

    Ist eigentlich jemand von euch Lesern hier aus Berlin/Brandenburg und/oder kennt eine Kursgruppe in diesem Raum? In letzter Zeit habe ich öfter den Gedanken, dass es vielleicht schön wäre, sich mal in einem persönlichen Treffen auszutauschen.

    Schönen Sonntag euch allen!

    1. Liebe Katrin, herzlichen Dank für deinen lieben Sonntagsgruß. Ich schicke ihn dir ebenso.

      Von Berlin und Umgebung weiß ich nichts von einer regelmässigen Kursgruppe, garantiert gibt es dort aber viele Kursler. Wie wäre es mit einer Anfrage in den Facebook-Kursgruppen, ob es eine gibt oder jemand eine gründen möchte?

      Ja, ich profitiere noch immer davon, was ich mit der Vipassana-Meditation gelernt und erfahren habe, auch wenn ich es in seiner Reinform nicht mehr praktiziere. Für mich persönlich hat es meinen Beobachter sehr massiv geschult und ich wende das Beobachten tagtäglich für die Kurspraxis an. Diese Instanz ist für mich der Dreh- und Angelpunkt, um mir über meine Egoprozesse bewusst zu werden und eine andere Wahl zuzulassen. Wenn ich an die 10 Tage Vipassana denke, fühlt es sich noch immer wie ein inneres Nach-Hause-Kommen an, denn dort machte ich sehr intensive Erfahrungen mit dem Frieden, den ich auch mit dem Kurs erfahre. Wie es dir oder sonst jemanden mit dem 10tägigen Vipassana- Meditationskurs geht und welche Langzeitwirkung es für euch hat, kann ich nicht sagen. Das ist sehr individuell. Fühle einfach hinein, was für dich stimmig und dran ist.

      Zu deiner Frage mit den Übungen und der Alltagspraxis.
      Dieses Beobachten und wählen ist für mich die Essenz der Kurspraxis. Ob ich dazu noch Worte aus dem Kurs oder den Übungen sage, ist für mich inzwischen nicht mehr entscheidend. Sie sind Hilfsmittel, die uns jenseits aller Worte führen sollen. Es ist so gedacht und gut, 1x alle Übungen des Übungsbuches zu praktizieren und sich so gut wie möglich daran zu halten.
      Aber:
      Niemand wird es so exakt machen können, wie es angegeben ist! Niemand! Könnten wir es, bräuchten wir es nicht!
      In meinem Verständnis dient das Übungsbuch dazu, uns ein anderes Denken, eine andere Sicht auch erfahrungsmäßig nahezubringen (und nicht nur intellektuell über das Textbuch), uns gerade erfahrbar zu machen, wie oft wir die Übungen und die Wahl vergessen, wie sehr wir also am Ego kleben und es wollen! Das Ausmaß und die Egoinhalte, -ablenkungen und -tricks werden uns genau dadurch bewusst erfahrbar. Jetzt kann ich nicht nur die Theorie als verstanden und richtig abnicken, sondern bekomme alles hautnah zu spüren, es wird erlebbar – das Ego und der Heilige Geist. Die Theorie ist nötig, um zu wissen, worum es in der Tiefe geht und worauf zu achten ist, das Übungsbuch führt uns in die Praxis.
      Wunderbar also, liebe Katrin, was du da alles bei dir beobachtest. Du machst alles richtig. Genau darum geht es.
      Aha, da fällt mit etwas schwer.
      Okay, ich will in Frieden darauf schauen und dass ich es leicht haben will.
      Aha, ich spüre gerade die Verbindung nicht mehr so oft.
      Okay, ich will in Frieden darauf schauen, dass ich die Verbindung nicht spüre und sie spüren will.
      Aha, ich möchte mehr Worte.
      Okay, ich will in Frieden darauf schauen, dass ich mehr Worte brauche und sie nicht bekomme.
      Aha, ich glaube, mir fehlt die Ernsthaftigkeit.
      Okay, ich will in Frieden darauf schauen, dass ich das glaube.
      Aha, ich meine, alles müsse auf ganz bestimmte Weise von statten gehen, damit es richtig ist.
      Okay, ich will in Frieden darauf schauen und auch darauf, dass ich gar nichts weiß, nicht wissen muss, nichts wirklich wissen kann.

      Wir leben den Kurs, wenn wir uns selbst in allem gütig und liebevoll, ohne Druck, Muss und Zweifel begegnen an dem Punkt, an dem wir gerade stehen. Wir schauen ehrlich hin und sagen: „Ja, so ist es gerade.“ Sind wir dabei ohne Urteil darüber, ist der Frieden da und das ist das Kursziel – immer und immer wieder. Ist der Frieden nicht da und sind stattdessen Urteile da und soll etwas anders sein, beobachten wir dies nur. Wir schauen in Frieden auf den Unfrieden und folgen den Impulsen, die dann kommen. Mal fällt uns das leichter, mal nicht – so ist es auch bei mir.
      Was denkst und empfindet du zu meiner Antwort, liebe Katrin?

  7. Liebe Katja, du schreibst: „Der Heilige Geist / Gott / unser wahres Sein sind uns unbewusst geworden und müssen uns wieder bewusst werden, indem wir uns ihnen bewusst zuwenden.“

    Wenn wir uns jetzt einen anatolischen Bergbauern vorstellen, der mit sich und der Welt völlig in Frieden ist. Nicht immer, aber jetzt in diesem Moment. Er weiß nichts vom Kurs in Wundern, nichts von einer Wahl zwischen einem heiligen Geist und einem Ego, kennt vielleicht nur seinen Koran. Er ist aber dennoch in unserer Sichtweise mit dem Heiligen Geist verbunden, nicht wahr? Und zwar ganz bewusst, denn er fühlt ja den Frieden, obgleich er nichts davon weiß. Hat er sich bewusst dafür entscheiden? Ich glaube nicht, dass man das so sagen kann. Und da sind wir wieder bei dem Punkt, den wir schon hatten: die Wahl geschieht nicht bewusst, aber sie wird uns bewusst :-), eben durch den Frieden, den wir fühlen.

    1. Lieber Tom,
      meinem Gefühl nach gehen wir nun wieder ans Fein-Tuning, um noch klarer zu werden und uns noch besser zu verstehen. 🙂

      Wie definieren wir nun „bewusst“ und auf welchen Aspekt wenden wir das Wort gerade an?
      Ich mag das mal anfangen und es so unterteilen:

      1. Ja, ich kann mir des Friedens bewusst werden, also ihn wahrnehmen, und somit der Wahl, die wohl dafür und quasi davor stattgefunden haben muss, mir aber nicht bewusst war.
      Das hatte ich auch geschrieben, dass mir das ab und an passiert, ohne dass ich scheinbar eine bewusste Wahl getroffen habe.

      2. Ich meine aber auch mit bewusst, dass ich mir meines Unfriedens bewusst werde (ihn beobachtend wahrnehme, schon mit etwas Abstand) und dann entscheide, also wähle, in Frieden darauf schauen zu wollen. Und damit, und so verstehe ich dich jetzt an dieser Stelle, lade ich ein, dass die eigentliche Wahl – der Wechsel, der Geisteswandel – und ihre Folge des Friedens geschehen kann. Ich „mache“ sie in dem Sinne nicht selbst, weil ich noch mit dem Unfrieden identifiziert bin und mir etwas anderes gar nicht vorstellen kann. Es ist, als geschieht es mir durch meine Bereitwilligkeit durch meinen heilen Geist (der ich dennoch selbst bin). Wie das genau vonstatten geht, entzieht sich unserer Bewusstheit (an dieser Stelle stimme ich dir nochmals zu), plopp, auf einmal ist der Frieden da, obwohl wir gerade noch in Unfrieden waren. Aber wie ist das ganz konkret geschehen? Schulterzucken – keine Ahnung.

      Zu unserem lieber anatolischen Bergbauern, der ganz genauso auf dem Weg ist wie wir, stellen sich mir folgende Fragen. Ist er im Schein-Frieden des Ego oder im wahren Frieden? Das kann wohl nur er beantworten.
      Und bist du dir sicher, dass er tatsächlich nicht über Bewusstheit verfügt und sie einsetzt – auf welche Weise und welchem inneren Weg auch immer? Es gibt ja tausende Wege zurück zu dem, was der Kurs Gott nennt. Was ist wirklich seine innere Haltung allem gegenüber? Auf welche Weise folgt er der Weisheit in sich?
      Also, wenn du diesen friedvollen anatolischen Bergbauern ausfindig machen kannst, lasse uns zu ihm reisen und ihn befragen, ja? Das würde mich alles brennend interessieren.
      Ich kann nur davon berichten, wie ich es derzeit erlebe und verstehe. Und ich erfahre gern aus erster Hand 😉 , wie es für jemand anderes ist. Wie ist es für dich genau?

  8. Hallo Katrin, mir fällt es auch oft nicht leicht, die Übungen wirklich entspannt und zugleich konzentriert zu machen. Oft werden aus den angegebenen 10 Minuten nur 2, oder ich vergesse es ganz oder ich lasse mich dauernd ablenken. Gleichwohl ich viel im Kurs und über ihn lese und viel daran denke, so scheint mich immer wieder etwas davon abzuhalten, die Übungen mit voller Aufmerksamkeit zu machen. Offenbar mein unsteter Geist, der umherschwirrt. Ken Wapnick schreibt irgendwo, dass die Übungen uns genau vor Augen führen, wie groß unser Widerstand ist, den Kurs wirklich zu machen. Darüber reden, darüber lesen – ja. Aber ihn wirklich zu machen, stellt eine echte Gefahr für das Ego in uns dar. Also lenken wir uns nur allzu gern davon ab. Die Übungen sind ein Spiegel für unsere innere Bereitschaft. Doch sollte man das ganz entspannt sein, kein Grund sich deshalb etwas vorzuwerfen. Es gibt hier keinen Leistungswettbewerb und auch keine zeitliche Frist. Zuviel Eifer kann auch Ego sein, denn dann will man der Schnellste und Beste und Erleuchtetste sein :-). Alles Quark, lass uns damit spielerisch und mit heiterer Ernsthaftigkeit umgehen.

  9. Ganz herzlichen Dank, liebe Katja, für deine so ausführliche hilfreiche Antwort. Alles zu den Übungen und Alltagssprache empfinde ich ganz genauso und bezüglich Vipassana-Meditation spüre ich nochmal in mich hinein. Als ich vor zwei Jahren schon einmal überlegt hatte, das zu machen, waren die Gründe ganz andere als heute, nämlich wollte ich einfach mal nur Zeit für mich, raus aus dem ganzen Alltagsstress und nur Ruhe. Heute ist der Grund, mir etwas Hilfreiches für meine Kurspraxis mitzunehmen bzw. wie du sagst, den Beobachter zu schulen. Naja, alles kommt so, wie und zu welcher Zeit es soll und man es annehmen kann – darauf habe ich großes Vertrauen.

    Ganz lieben Dank auch dir, lieber Tom, für deine Schilderung. Es tut gut, mal von anderen zu lesen, wie sie die Übungen so packen. Und wie Katja sagt, wenn wir sie perfekt könnten, bräuchten wir sie gar nicht.
    Möge uns alle eine heitere Ernsthaftigkeit begleiten ☺

  10. Hi Katja, zu deinem Punkt 1: ja. Zu Punkt 2: auch ja. Ich denke, man darf die Ebenen nicht verwechseln. Solange wir uns in dieser Welt wähnen, empfinden wir sie als real. Und ebenso empfinden wir, eine konkrete Wahl zu haben (bzw. permanente Wahlmöglichkeiten). Insofern können wir gar nicht anders als danach zu leben, auch wenn es in Wahrheit diese Wahl gar nicht gibt.

    Der anatolische Bergbauer wird seinen Frieden auch empfinden, wenn er denn in Frieden ist. Wie er dahin gekommen ist, wissen wir nicht. Vielleicht denkt er in ganz anderen Bahnen, in anderen Begriffen, um schließlich doch zum gleichen Ergebnis zu kommen.

    1. Lieber Tom, auch Ja dazu, dass es eigentlich keine Wahl gibt, sondern wir nur davon träumen. Doch wie du richtig sagst, „arbeiten“ wir damit, wo wir zu sein glauben.
      Und der gute Bergbauer, noch mal ja.

      Wow, macht gemeinsam 4 x Ja von beiden Seiten und ein HalleluJAh oben drauf! 😄

  11. Liebe Katja, ich lese gerade mal wieder in deinem Buch und zwar den Satz „Die Wahrnehmung ist niemals neutral…“ S. 123. Und da fällt mir eine der ersten Übungslektionen ein „Ich habe keine neutralen Gedanken“ und dass ich diese wohl noch nicht so ganz verstanden habe. Alle Gedanken stammen entweder aus dem rechtgesinnten oder falschgesinnten Denksystem, der Liebe oder der Angst. Das ist mir eigentlich klar. Wenn ich aber einfach nur denke „Das ist ein Baum“, scheint das ein neutraler Gedanke zu sein, oder?

    1. Liebe Katrin,
      da stellst du eine sehr interessante Frage und ich möchte sie auch gern hier in die Runde weitergeben.
      Ich habe dazu folgende Gedanken.

      Zum einen, dass wir überhaupt „Das ist ein Baum“ sagen und denken können, setzt bereits Trennung voraus, denn zum einen beschreibt er die Welt der Trennung und er hebt den Baum als abgegrenzt von allem anderen hervor. Somit ist der Trennungsgedanke darin grundlegend da, der nicht neutral ist, weil er damit eine Aussage und Zuordnung macht.

      Zum anderen können wir nun diesen grundlegenden Trennungsgedanken auf zwei Weisen verwenden – und das ist die tägliche Kurspraxis – weiterhin falschgesinnt oder nun für die Rückkehr zum Gewahrsein der Einheit rechtgesinnt.
      Kenneth Wapnick schreibt, mit Wahrnehmung seien im Kurs nicht unsere 5 Sinne gemeint, sondern wie wir etwas interpretieren, welche Bedeutung wir dem geben, was uns im Traum begegnet. Und da unser Geist immer entweder gerade dem Ego- oder dem Heiligen-Geist-Denken folgt, spiegeln unsere weltbezogenen Gedanken auch nie Neutralität, auch wenn dein Satz so klingen oder du ihn gerade so erleben magst. Doch spüre wir ganz genau hin, schwingt doch etwas mit im Inneren, wenn wir diesen Satz sagen, es gibt einen Beweggrund, warum wir ihn sagen.
      Für mich war ein Erlebnis in einem Schwimmbad dahingehend sehr bedeutsam (in meinem Buch S. 179-180 beschrieben). Aus dem Heiligen Geist nahm ich eine Frau scheinbar vollkommen neutral wahr, denn da waren keine Urteile mehr in mir über sie, die eine Sekunde vorher aus meinem Ego noch zuhauf dagewesenen waren. Ich sah sie einfach als eine Frau, die von A nach B an mir vorbei ging. Scheinbar sah, erlebte, deutete ich sie also als völlig neutral. Aber ich ruhte dabei in einem stillen Frieden, aus dem dieser Gedanke der, scheinbar rein die Fakten beschreibenden, Beobachtung kam: „Da ist eine Frau, die von A nach B an mir vorbei geht.“ Und dieser Frieden, der der eigentliche Inhalt des Satzes war, ist ebenso nicht neutral, er umfängt die Frau und mich und alle mit Liebe.

      Ob falsch- oder rechtgesinnte Wahrnehmung, sie spielen nur innerhalb der Illusion eine Rolle. Die rechtgesinnte Wahrnehmung führt uns allerdings zur Erkenntnis jenseits jeder Wahrnehmung/Deutung – dahin, wo nur noch GOTTES GEDANKEN eine Rolle spielen und diese sind gänzlich undenkbar und unbeschreibbar.

  12. Hallo Katrin, ich liebe diese Frage! 🙂
    Katja hat das schon so beeindruckend stringent aufgerollt, dass da eigentlich nichts mehr hinzuzufügen ist. Da aber Gedanken nicht neutral sind, wollen sie vorwitzigerweise alles in tausend Formen durchdringen, und deshalb auch meine nicht zu bremsenden Gedanken dazu:

    Denken ist die natürliche Bewegung des Geistes und umkreist deshalb permanent seine eigene QUELLE. Der SOHN kommuniziert unaufhörlich mit dem VATER. Wir sind lediglich insofern abgebogen, als wir uns eingebildet haben, Gedanken könnten ihre QUELLE, DEN EINEN GEDANKEN GOTTES, verlassen und separate Gedanken werden.
    Wahr geworden ist das nie, aber wir leben hier in dieser „Illusion“.

    Diese „abgebogenen Gedanken“ haben (scheinbar) eine Welt der „Formen“ hervorgebracht, die als „Dinge, die wir wahrnehmen“ und somit als „neutral“ aufgefasst werden könnten, eben weil sie die Wirkungen unserer sich separat wähnenden Gedanken sind und somit kein Eigenleben haben.
    Sie sind wie „leere Formen“, in die wir erst durch unser Denken, das unkündbar mit unserer QUELLE verbunden bleibt, Leben hineinbringen. Auch dabei: nicht die Form des Denkens bringt das Leben, sondern seine nicht unwahr zu machende VERBUNDENHEIT mit dem EINEN GEDANKEN.

    So sagt der Kurs z.B.: „der Körper ist neutral“ und kann deshalb weder sündig noch sündenlos sein. (T-20.VII.4:4-8).
    Es sind unsere Gedanken, die die Formen „beleben“, sie bedeutsam machen. „Da ist ein Baum“: spür‘ mal in das „ist“ hinein in der Bedeutung, die du diesem Wörtchen (auch Wörter sind Formen) geben kannst! Das meint entweder die Unterstellung einer „0bjektivität“, also die Leugnung der QUELLE oder aber das großgedachte, QUELL-bewusste IST: der Baum als Teil der Schöpfung. Er IST mit DIR. Und zwischen diesen beiden Polen deine unendliche Assoziationspalette. „ist“.

    Da ist immer „Bewegung“, eben weil du alles denkst und dich ständig auf die QUELLE beziehen musst, entweder so oder so, wie Katja das ja so schön ausgeführt hat.
    „Gedanken“ und „Neutralität“ sind also vollkommen unvereinbar, und der Gedanke „Neutralität“ ist eine Gedanken-Form, die aus dem Glauben an die Wahrheit privater Gedanken hervorgegangen ist. Wenn der Kurs sagt: Körper „sind“ neutral, dann gibt er uns lediglich eine Hilfestellung, von den scheinbaren „Objektivitäten“ weg und in unseren Geist zu schauen, wo nichts neutral sein kann, weil alles in Beziehung zu GOTT IST, ablehnend oder einwilligend.

    „Neutral“, das heißt eigentlich: ohne Leben. Wenn du da mal reinspürst in dieses Wort „neutral“ … also ich krieg‘ es nicht hin: es kommt nicht zum Stehen, hier ein Definitionsversuch, da einer, Aspekte, okay, aber was soll das sein: „neutral“??: es bewegt sich immer weiter. Es ist alles GEIST, WIR SIND EINS. Und nur GOTT: IST!!

    Außer mein Kaffee hier: der ist zum Glück objektiv da, absolut notwendig und es ist mir, als habe er ein Eigenleben, sonst könnte er nicht so gut duften! Also auf keinen Fall neutral! Eher aromatisch.
    🙂

    Michael

  13. Es scheint da einen Widerspruch zu geben zwischen der Aussage im Kurs, dass unsere Gedanken nicht neutral sind und der Aussage, dass die Welt und der Körper an sich neutral sind.

    Wenn ich nun also denke: „da ist ein Baum“, dann ist der Baum neutral. Meine Wahrnehmung, also mein Geist, aber ist es nicht, denn er sieht einen Baum außerhalb und damit getrennt von sich. Eben so wie es Katja ausgeführt hat. Als Kursschüler kann man anfangs den Eindruck haben, der Kurs stelle die Welt negativ dar dar. Aber wenn man die Welt, den Körper oder den Baum für schlecht bzw. falschgesinnt halten würde, würde man wieder nur die Falschgesinntheit im Geiste ins vermeintliche Außen projizieren. Die Welt ist neutral, aber sie ist aus unserer Falschgesinntheit „entstanden“. Und wenn ich die Welt, einen Körper oder einen Baum für schön halte, ist das nicht zwangsläufig ein Beweis, dass meine Wahrnehmung rechtgesinnt ist.

    1. Sehr schöne weitere Ausführungen, Tom und Michael. Toll und danke. 😊
      Wie geht es dir mit unseren Antworten, Katrin?

  14. Ihr Lieben,

    herzlichen Dank für eure Kommentare hier, die ich immer gerne lese.
    Dabei begleiten mich oft Gedanken wie – werde ich jemals den Kurs so tief verstehen wie sie? – werde ich jemals…..usw…, usw…
    Auch heute Abend ging es mir wieder so. Als ich so in Gedanken versunken da saß passierte mir folgendes:
    „Du entkommst mir nicht!“ Diesen Satz hörte ich ganz deutlich.
    Ich entkomme ihm nicht! – der 1. Impuls ist es doch zu versuchen, wegzulaufen.
    Das Gefühl dazu ist Angst. Und dann kam ein innerliches Stop.
    „Du entkommst mir nicht!“ zaghaft zeigte sich ein Zipfel der Gewissheit.-„Ich entkomme ihm nicht!“ – Ja , dass ist die Wahrheit. „Ich entkomme dir nicht – und ein Funkeln macht sich in mir breit 🙂 ich entkomme ihm nicht und freue mich darüber (bin verliebt 😉 )

    Danke euch

    1. Wow, wie ehrlich zu dir selbst, wie dich beobachtend, wie schön das Ergebnis, liebe Bianca – von wegen, du verstehst den Kurs nicht: du lebst ihn! Das ist wirkliches Verstehen, darum geht es. Wir leben ihn gemeinsam und jeder trägt etwas dazu bei … eine Frage, eine Erläuterung, ein Erlebnis, ein Zuhören, ein Nachsinnen, ein Wunder … und alles ist gleichermaßen hilfreich. 🙂

      PS: In Jesus verliebt zu sein wie du ist gar keine schlechte Idee, denn dann sind wir automatisch in alle verliebt! Ich glaube, das mache ich jetzt auch! ;-)))

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