Nichts kann sterben, was gar nicht existiert

Wenn ich extrem leide,
ist manchmal ein sehr tiefer Entschluss in mir,
jetzt endlich alles hier total loszulassen.
Mich völlig und ganz dem Heiligen Geist hinzugeben.
Und ich denke dann:
Selbst wenn das mein körperlicher Tod bedeutet!

Doch dann wird mir klar:
Mit dem letzten Satz spricht schon wieder mein Ego,
denn in Wirklichkeit geht es nicht um den körperlichen Tod.
Den gibt es nicht!
Es geht um den Tod des Ego,
das es auch nicht gibt.

Es geht darum,
etwas aufzugeben,
was gar nicht existiert
und dennoch nur Schmerz verursacht.

Was ist schlimm daran, Schmerz aufzugeben?
Es kann dann ja nur Freude kommen!

Nun, es bedeutet schlicht,
aber gravierend im Ausmaß,
dass ich meine derzeitige Identifikation der Individualität aufgebe
und damit scheinbar eine wahnsinnige Angst einhergeht,
dass alles, was dann kommt
noch viel schlimmer ist
als das, was ich jetzt erlebe!

Diesen Irrglauben gilt es
auf die Schliche zu kommen,
nicht nur theoretisch,
sondern gefühlt und ganz konkret beobachtet,
um die tiefe Anhaftung daran zu lösen.

Dann kommen die Erfahrungen von Freude,
die alles übersteigt.

6 Gedanken zu „Nichts kann sterben, was gar nicht existiert

  1. Der Glaube an unsere Individualität (und den individuellen Willen) ist vielleicht der schwerste Brocken überhaupt, liebe Katja. Da geht es total ans Eingemachte.

    1. Oh ja, Tom, du sagst es! Ich würde sogar sagen, das ist der Kern des Problems. Es geht eigentlich die ganze Zeit auf unserem Kursweg um nichts anderes, als dafür wirklich bereit zu werden. Und ich habe bisher vielleicht gerade mal so an der äußersten Schale dieses Kerns etwas gepuhlt und es brachte mir schon erstaunlich neue und schöne Erfahrungen, aber es machte mir auch oft noch so eine Angst, total konsequent zu sein. Also nähere ich mich nach und nach dem Kern immer mehr. Wie siehst und erlebst du das?

  2. Ich erlebe es als fragile Ahnung, die kaum beschreibbar ist und die wie ein Hintergrundleuchten manchmal deutlicher, aber oft kaum wahrnehmbar da ist. Aber ihre Intensität hängt davon ab, ob ich mich erinnere und meine Aufmerksamkeit nicht nach außen, sondern nach innen richte. Innen heißt Formlosigkeit, die alle wahrgenommenen Formen, auch die Gedanken und Gefühle, enthält. Eigenartigerweise scheint aber etwas meine Aufmerksamkeit wie ein Magnet immer wieder nach außen auf die Formen zu richten.

    1. Lieber Tom, das ist eine sehr interessante und anschauliche Beschreibung. Ja, in der Formlosigkeit ist die Induvidualität aufgehoben. Und was meinst du, ist dieses Etwas, was dich immer wieder zu den Formen und der Individualität zieht?

  3. Ich weiß nicht mal, ob es ein Etwas ist, das mich immer wieder zu den Formen und der Individualität zieht. Laut dem Kurs ist es die unbewusste und eingebildete Urschuld in uns. Aber die spüre ich nicht direkt. Was ich jedoch bemerke, ist, dass meine Aufmerksamkeit immer wieder auf Besonderes gezogen wird: auf besonders Schönes, besonders Schlimmes, besonders Merkwürdiges. Offenbar liebe ich es, zu werten und abzugrenzen. Und offenbar liegt dem diese unbewusste Schuld zu Grunde.

    1. Ja, das kann ich nachvollziehen. Für mich ist diese Urschuld auch nicht spürbar, außer verlagert in Bezug auf alles Mögliche in der Welt. Was mir immer deutlicher wird, dass es letztlich tatsächlich eine riesige unbewusste Urangst sein muss, die mich immer wieder zurückhält. Ich bemerke gerade: okay, zu Schuld kann ich „ja“ oder „nein“ sagen, aber das Ja dazu muss unweigerlich eine unsägliche Angst vor Vernichtung auslösen. Also springe ich wohl auch deshalb immer wieder in die Form und Individualität.

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