Liebe ist formlos

Allem, was ich in der Welt vermeiden will,
gebe ich Wert.
Allem, was ich in der Welt erleben will,
gebe ich Wert.
So bleibe ich in den Formen gefangen,
weil ich auf sie fixiert bleibe,
dort die Erlösung wähne,
in der Veränderung der Formen
und in ihren trennende Unterschieden.

All die Formen äußerer Umrisse,
all die Formen an Meinungen, Überzeugungen,
Einstellungen und Vorstellungen,
jede Erwartung an mich, andere und die Welt …

Von keiner einzigen dieser Formen mehr emotional abhängig zu sein,
keine einzige Form mehr zu wollen und zu beurteilen,
sondern nur der Liebe hingegeben zu sein,
gänzlich frei von Gedanken an Formen,
die daraus entstehen sollen,
lässt meinen Geist permanent in der Welt der Formen fried- und liebevoll sein
und in unserer einen Formlosigkeit Gottes erwachen.

6 Gedanken zu „Liebe ist formlos

  1. Weißt du, liebe Katja, vor Jahren noch wollte ich Liebe gar nicht in direkten Zusammenhang mit dem Absoluten (GOTT, Tao, Brahman) bringen. Liebe schien mir Teil der Dualität zu sein, Liebe und Hass eben. Oder Liebe und Angst. Das Absolute aber müsste doch völlig neutral sein, so dachte ich. Aber nicht zuletzt durch den Kurs bin ich immer mehr davon überzeugt, dass Gott und Liebe eins sind. Eben weil sie Formlosigkeit darstellen. Und auch wenn wir Liebe in der Welt meist fürchterlich verzerren, in besondere Liebe oder sogar in Hass-Liebe, so können wir doch auch hier einen Abglanz der wahren Liebe erfahren, und zwar immer dann, wenn wir Formlosigkeit erfahren, bzw. sie uns intuitiv näher kommt. Sie kommt natürlich nicht wirklich näher, denn was könnte uns näher sein als sie? Das heißt einfach, immer dann wenn unsere Aufmerksamkeit nicht mehr wie hypnotisiert auf die äußeren Formen geht. Dann bekommen wir einen ahnenden Zugang zu dem, was bereits ist, immer schon war und nie anders sein kann.

    1. Lieber Tom, ja, die verzerrte Liebe, von der du sprichst, ist keine Liebe, sondern eine Spielart der Angst und des Hasses. Dieser Abglanz der wahren, der göttlichen Liebe findet natürlich in der Welt der Formen auch über eine jeweilige Form Ausdruck (ein Wort, eine Geste, eine Handlung). Aber wie du sagst, es geht dabei nicht darum, diese Form zu verherrlichen und die Liebe mit der Form zu verwechseln. Ich finde, das ist eine sehr subtile Sache und ein Balanceakt. Doch wenn ich mir klar mache, dass es zig Formen gibt, durch die diese Liebe ausgedrückt werden kann (ebenso wie Angst, die auch in ihrer „Substanz“ formlos ist), können es nicht die Formen an sich sein, die das Wesentliche sind, sondern das, was sie inhaltlich transportieren. Für mich war in den letzten Tagen das Beispiel mit dem umgefallenen Fahrrad (mein Beitrag vom 13.09.17) sehr lehrreich, nämlich dass ein und dieselbe Form mal Achtlosigkeit und mal Liebe ausdrücken kann, je nach Kontext und der inneren Haltung.
      Ich kann für mich diese Formlosigkeit der Liebe am nächsten in den Begriffen Präsenz und Gewahrsein fassen. Unabhängig von der Form nehme ich in solchen Momenten eine Präsenz der Liebe wahr, die jede Form übersteigt und durch diese überhaupt nicht berührt oder eingeschränkt ist. Und da ist in mir dann keine Frage danach, welche Form sie nun annehmen soll, was ich nun tun oder sagen soll. Die Form ist dann einfach schon automatisch da, aber ich bleibe fokussiert auf die Präsenz. Sobald mir die Form wieder wichtig wird, habe ich mich schon wieder in der Ego-Welt der Formen verloren, bewerte ich, gebe ich Unterschieden Wichtigkeit.

  2. Hm, ich denke noch darüber nach, inwiefern auch die Angst formlos ist. Klar, die Formen als solche sind neutral, sie sind aus dem Gedanken der vermeintlichen Trennung entstanden. Formlosigkeit als solche aber ist in meinem Verständnis mit Liebe identisch. Wie kann dann Angst formlos sein? Zumal sie ja letztlich ja illusionär ist. Was meinst du?

    1. Lieber Tom, super, lass uns das mal zusammen weiter untersuchen, denn ich zögerte auch etwas, als ich das mit der Angst schrieb. Aber dann dachte ich: Was ist laut Kurs der Ursprung der Welt? Der Trennungsgedanke, der ernst genommen wurde, worauf dann Schuld und Angst folgten und erst dann und deshalb wurde die Welt der Formen projiziert als vermeintlicher „Ausweg“ daraus. Die Angst war schon vor der Welt und den Formen da. (Klar passierte all das nicht wirklichen in einer zeitlichen Abfolge, sondern mit einem Mal, aber zum besseren Verständnis schlüsselte es Wapnick in „Die Botschaft von EKIW“ so auf.)
      Ist nicht Angst also auch nur ein Geisteszustand? Und ein Geisteszustand ist formlos, oder? Einer, der die Formen projizierte und der nun weiterhin auf die Formen reagiert, sie ernst nimmt. Sonst wäre das Ziel des Kurses, beständig im Geisteszustand des Friedens angesichts der Welt und ihrer Formen, wenn Angst an sie gebunden wäre, doch nicht möglich und es ginge im Kurs nicht um einen Geisteswandel von der Angst zur Liebe, oder? Der Kurs sagt, es gibt nur zwei Zustände im Geist: Angst oder Liebe. Und ja, davon ist die Angst illusionär und die Liebe die Wahrheit. Das lernen wir mit dem Kurs und deshalb geben wir nach und nach die Angst in uns auf.
      Soweit mal meine Überlegungen und nun bin ich ganz interessiert und gespannt auf deine weiteren Gedanken dazu.

  3. Ist ein Geisteszustand formlos? Ja, ich denke auch. Allerdings erfahren wir Geisteszustände erst immer bewusst, wenn sie bereits Form angenommen haben, also konkrete Gedanken (meist in Worten und Bildern) geworden sind.

    Ich versuche es mir so zu erklären: Formlosigkeit als solche ist identisch mit reiner Geist (spirit) und mit Liebe (siehe auch Wapnicks Schaubild). In diesem Geist bzw. aus der Liebe heraus ist aber auf unbegreifliche Weise der formlose Gedanke der Trennung entstanden, was wiederum die Projektion eines ganzen Universums zur Folge hatte. Und in gewisser Weise – und um es noch irrwitziger zu machen – kann man auch sagen, dass gar nichts derartiges je geschah. Aber irgendwie und irgendwo erscheint es uns halt so :-).

    Das Vertrackte dabei ist nun, dass tatsächlich Formlosigkeit identisch ist mit Liebe, und dass immer wenn wir wirklich Liebe empfinden, wir einen Zugang zur Formlosigkeit haben, aber dass wir gleichzeitig enorme Angst davor haben. Denn Formlosigkeit in ihrer reinen Form (kicher) bedeutet das Ende jedes Trennungsgedankens und damit auch jeder getrennten, individuellen Existenz. Und das macht Angst, weil dann eben die tief versteckte Schuld und die Angst vor Strafe hochkommt.

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