Im Frieden ist alles anders

Ich beobachte immer wieder,
dass ich keine Fragen, keine eigenen Themen, keine Probleme mehr habe,
wenn ich im inneren Frieden ruhe.
Da ist eine weite, sanfte, erfüllte Stille,
die nichts unbedingt tun muss in der Welt,
während der Körper,
ganz ohne Unsicherheiten und Unklarheiten,
den weltlichen Geschäften nachgeht.

Es ist eine Geistes-Haltung der totalen Offenheit für alles,
was mir entgegenkommt.
Jetzt erst höre ich anderen wirklich zu,
ohne eigene Gedanken und Überzeugungen zum Gehörten.
Jetzt erst bin ich wirklich am Verstehen und Einfühlen
in Menschen und Situationen,
ohne eigenes Urteil.
Ich bin passiv und nur reagierend in einem sehr präsenten Sinne,
ohne Ablenkung durch eigene Geschichten und Bedürfnisse,
wobei durchaus lange Gespräche entstehen können
und auch gemeinsames Schweigen
– beides von dieser Stille getragen.
Es ist eine wunderschöne, mit allen verbundene Erfahrung.

Doch natürlich versucht mein Ego auch diese anzugreifen.
Es will mir einreden:
„Du wirst langweilig für andere, wenn du so viel still bist,
nichts Eigenes von dir aus bringst.
Sie werden sich von dir abwenden, dich nicht mehr interessant finden.“
Die Stille begegnet dieser aufkeimenden Angst weiter mit Frieden.
Was andere tun,
was für andere gerade hilfreich ist
und wie es ihnen mit mir geht, entscheide nicht ich.
Und es stört den inneren Frieden nicht,
denn ihn ihm sind keine Fragen, keine Themen, keine empfundenen Probleme mehr.

Ich begreife, dass diese Stille
die ganz logische Folge des inneren Friedens ist.
Fragen stellt nur das Ego:
„Was soll ich tun mit diesem oder jenem in der Welt?“
Und jede Ego-Antwort führt zur nächsten Frage.
Doch wo sind die Fragen,
wenn die Antwort mit dem Frieden gegeben und gelebt wird?
Themen hat nur das Ego,
zum Grübeln, Diskutieren und Verzweifeln.
Doch wo sind die Themen,
wenn nichts mehr durchdacht, abgewägt und geklärt werden muss,
weil Frieden alles durchdringt?

Ich will mich nicht mehr irritieren lassen,
denn es ist erfahrbar:
Wir reden im Frieden weniger von uns aus
und sagen doch so viel,
sagen sogar ALLES
mit der einen Antwort des Friedens in allem.

12 Gedanken zu „Im Frieden ist alles anders

  1. Danke liebe Katja für deine klaren Worte
    So ähnlich erlebe ich es auch
    L.G.
    Wolfgang
    P.S: nochmals Danke für s Unterstellen unter deinen
    Regenschirm bei der Kurskonferenz in Wien

    1. Lieber Wolfgang, dass es dir auch so geht, bestärkt mich. 1000 Dank.
      Und P.S.: Das mit dem Regenschirm ist Ehrensache. Ich lasse doch niemanden im Regen stehen! 🙂

  2. Was für eine schöne, stille Beschreibung: Du bist zum Kanal geworden für IHN. Davon können sich andere nicht wirklich abwenden, das zieht unweigerlich an. Danke dir, dass du das für uns tust.

    Liebe Grüße von Michael

    1. Oh ja, lieber Michael, am „Ende“ kann sich niemand wirklich abwenden, weil es das ist, was wir alle suchen und sind. Doch zwischenzeitlich kann es geschehen. Das war ein wichtiger Punkt für mich zu verstehen, um dran zu bleiben. So ist Jesus gekreuzigt worden von denen, die seine Liebe noch nicht aushielten und sich im Ego davon sogar angegriffen fühlten, sich ihre eigene Verstrickung noch nicht stellen konnten.
      Ich habe erlebt, dass sich ein mir sehr wichtiger und lieber Mensch immer mehr von mir zurückzog, je öfter ich ihm in dieser Haltung begegnete. Er sagte mir sogar, es wäre für ihn verständlicher und er könne damit besser umgehen, wenn ich ihm wegen seiner Taten gemaßregelt hätte. Es erstaunte und berührte ihn sehr (und das ist das Wesentliche), dass ich innerlich immer wieder daran arbeitete, es nicht zu tun und oft so anders reagierte als von ihm erwartet. Und zugleich wich er gerade deshalb immer mehr vor mir zurück, wohl weil er sich selbst noch nicht so annehmen konnte. Das war eine harte Lehre für mich, dennoch nicht von meinem Kurs abzukommen. Ich begriff daran, wie tief und groß unsere Angst vor Gott, vor der wahren Liebe sein muss.

      So oft noch will ich in Frieden sein, um zu … Um etwas Bestimmtes in der Welt und beim anderen zu erreichen. Doch jedes „um zu“ ist Angst. Ich will in Frieden sein, egal was in der Welt los ist und ohne Ziel in ihr. Das erlebe ich noch als eine große Herausforderung. Doch sonst verliere ich wieder den Rückweg aus den Augen.

  3. Liebe Katja , ich kann mich in das was du beschreibst , so gut einfühlen.
    Danke , dass du mir Worte dafür schenkst!
    Ich möchte für mich lernen , den Gedanken vollkommen zu akzeptieren , dass ich die Probleme , Zweifel und Fragen anderer nicht beantworten kann , denn ich weiß nichts. Aber vielleicht kann im Annehmen dieses Nichtwissens DIE ANTWORT für uns gemeinsam gefunden werden.

    Ganz liebe Grüße

    1. Liebe Beatrix, das „vielleicht“ streichen wir mal, einverstanden? 😉 Im Nicht-Wissen ist alle Antwort, weil wir dann mit unserem Ego zurücktreten und die Liebe hervortritt. Juchu! 😄

      1. Danke für diese schöne Beschreibungen , Mitteilungen , ! Ich bin mich auch so am üben , still zu sein . Im Angriff nicht zu „reagieren“ sondern zu wissen , der Angriff kommt aus Angst und oder ist ein Hilferuf nach liebe. Es ist mir ganz leicht dies zu akzeptieren , Ist aber trotzdem für mich oftmals erst noch erstaunlich erschreckend , da ich immer viel zu schnell die Antwort haben will ich denk sofort , „Spiegelung“ und was macht es mit mir , was zeigt sich da was in Heilung gebracht werden möchte usw. !! Aber ich mache auch immer öfter die Erfahrung , wenn ich in still bin , kommt der Frieden, und somit die Antwort! Es ist , liebe Katja, so ne schöne schnelle Hilfe , wenn ich mir sage , ,, ich will das im Frieden sehen “ Danke an euch alle hier in liebe , Elke ❤️

        1. Liebe Elke, wie schön, so gemeinsam auf dem Weg zu sein, auf dem wir noch so oft über das Ego stolpern, aber unser heiler Geist uns immer wieder aufhilft. 🙂

  4. auf dem Weg sein – in der Latenz kommt uns die Gnade entgegen und wir verwandeln uns ganz subtil – wir erfühlen es – es erfüllt unser Herz mit Freude, dass wir getragen sind in Liebe

  5. Ja, ich ruhe in Gott und alles ist in Frieden. Diese Worte bedeuten nichts, aber die Erfahrung des damit Gemeinten bedeutet alles und der vergessene Gesang singt in jeder Seele, immer besser hör- und erfahrbar.
    Danke für deine Worte, Katja!

    1. Ja, lieber Rodolfo, nur die Erfahrung überzeugt und führt zum Ziel, wozu uns Worte den Weg weisen – auch zwischen den Zeilen.

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