Ganz in Ruhe den Fuß gebrochen

Wie anders es sein kann, mit dem Heiligen Geist meine körperliche Verletzung zu erleben…
Sechs Wochen mit für mich erstaunlichen Erfahrungen mit meinen gebrochenen Fuß liegen hinter mir – denn ich begleitete ihn mit einer großen inneren Ruhe, Entspanntheit und Angstfreiheit. Und ich erlebte durch ihn und meine Haltung dazu ganz wunderbare Begegnungen.

Ich bin auf der Arbeit beim Ballspielen mit einem Kind nur ganz banal umgeknickt, wie man tausendmal im Leben umknickt – und nichts passiert. Nun, es war wohl das tausendundeinste Mal und ein richtig guter Winkel. Kann also nicht mit einer spektakulären Geschichte aufwarten. Es knackte ein Mal ganz ordentlich und ich wusste gleich, das war der äußere Mittelfußknochen. Ganz ruhig stellte ich das fest. Ohne Schreck. Es schmerzte kaum, eher dumpf und nicht lange. Dann pikste er nur etwas, als ich versuchte, normal zu laufen.

Was soll ich sagen, ich spielte halt etwas vorsichtiger weiter. Ich würde mich später darum kümmern. Ich wusste ganz klar, was zu tun war. Ich saß dann in einer Teamsitzung und teilte am Schluss meinem Chef nüchtern mit, dass es wahrscheinlich einen Arbeitsunfall gegeben habe und ich jetzt zur Kontrolle zum Arzt gehen würde. Eine Kollegin konnte mich gerade noch überreden, mich fahren zu lassen. Das war das erste Hilfsangbot von vielen vielen folgenden, die ich ohne Widerstand und Verpflichtungsgefühl annehmen konnte – berührt vom Geben der anderen.

Mit dem Arzt und der Röntgenschwester scherzte ich und begutachtete auf dem Röntgenbild neugierig den Knochen und seinen Bruch. Von innen bekommt man sich ja selten zu sehen. Ein interessiert-neutrales Gefühl stellte sich ein, dass ich laut Ego dieser Knochen sein soll. Aber dennoch kümmere ich mich natürlich um ihn, solange ich ihn noch brauche. 🙂 So wurde ich denn also für sechs Wochen mit Krücken, eine Art monströsen „Ski-Schuh“, den ich kaum aufsetzen durfte, und täglichen Thrombosespritzen ausgerüstet. Ich nahm sie einfach an.

Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Schmerzen, jedenfalls nicht im Fuß. Aber Belastungsschmerzen in den Händen und Muskelkater in den Achseln – wusste gar nicht, dass es da auch Muckis gibt. Doch es störte meinen inneren Frieden nicht. Und etwa nicht zur Arbeit zu humpeln, war gar keine Frage, obwohl mein Chef es mir sogar nahelegte und der Doc es mir freistellte. Ich hätte zu Hause durchaus gewusst, was ich mit meiner freien Zeit auf der Couch hätte anfangen können, aber ich fühlte mich einfach nicht krank. Da ich außerdem meine Arbeit liebe, war kein Zögern in mir. Mein Kopf funktionierte ja schließlich auch noch einwandfrei. So fand ich täglich mühelos sehr kreative Lösungen für alltägliche und nicht alltägliche Belange, wo mir entweder ein oder zwei Hände – weil an den Krücken klebend – oder ein Fuß fehlten, um es wie üblich zu hand 🙂 haben. So ließ ich es mir zum Beispiel die einmaligen Gelegenheit, den Leuchtturm von Helgoland zu besteigen und dafür auch noch am Schluss eine Leiter hochhieven zu müssen, nicht nehmen. Nie zögerte ich oder hatte Angst, immer wusste ich sofort eine Lösung und meistens schmunzelte ich dabei in mich hinein. Mit einem Kind erfand ich Krückenhockey, mit einem anderen verschiedenste Krückenanstups-Möglichkeiten beim Schaukeln.

Fremde Kinder und Erwachsene blieben bei mir stehen und fragten, was passiert sei und wieviele „Gute Besserung“-Wünsche ich gehört habe, weiß ich nicht mehr. Ich gewöhnte mich daran, denn anfangs dachte ich tatsächlich jedes Mal irritiert: Wieso gute Besserung? Mir geht es doch gut! Dann begriff ich natürlich, dass mein Fuß gemeint war und freute mich einfach dankend über die Anteilnahme. Ich war keinen einzigen Moment wirklich in Sorge um meinen Fuß. Leise hier und da mal aufkommende Überlegungen lösten sich sofort wieder ins Nichts auf, wenn ich ihrer gewahr wurde und sie schlicht betrachtete. Sicherheit und Klarheit nahmen mich wieder ein. Ich erwischte mich sogar beim Fernsehen dabei, wie ich ganz in Liebe selbstvergessen meinen Plastik-„Ski-Schuh“ streichelte. Liebe macht tatsächlich vor nichts halt. 🙂 Und Frieden auch nicht, denn die in der dritten Woche auftretenden extrem schmerzhaften Krämpfe in der stillgelegten und eingeschnürten Wade verschwanden, sobald ich mich dabei richtig in den Frieden verankerte – und tauchten dann nicht mehr auf.

Überall begegnet mir unaufgefordert Hilfe und nette Worte, auch ständig von fremden Menschen, zum Beispiel in der Straßenbahn standen viel ältere Menschen für mich auf, Busfahrer hielten extra nah am Bordstein und fragten mich beim zweiten und dritten Sehen nach meinen Fortschritten, im Einkaufszentrum wurden mir die Türen aufgehalten … Querbeet durch alle Altersgruppen, Bevölkerungsschichten und Nationalitäten waren Menschen für mich da – auch wenn ich mal selbst nach Hilfe fragte. Mit anderen, mir fremden „Ski-Schuh“- und Krückenträgern tauschte ich mich sofort fachsimpelnd aus, denn ich hatte mir Ferarri-Krücken gebastelt, mit Spezial-Polsterungen für die Hände und Unterarme. Und wieviel ich mit allen lachen konnte!

Meine 3 x die Woche Sport fielen natürlich weg, außer die 5 x die Woche Krückenzwischenspurt zur Arbeit. Dafür hatte ich mehr Zeit für die Kurs-Lektüre. Am Wochenende fielen die Wanderungen mit meinem Mann aus. Stattdessen eroberten wir mit dem Rollstuhl Orte, die wir sonst wohl nicht so bald besucht hätten und öfter saß ich irgendwo einfach nur still da und schaute – nach außen und nach innen. So viel innerer Frieden begleitete mich. Zugegeben, nach drei Wochen erfassten mich mal ein paar Tage Ernüchterung, in denen ich genervt von den Einschränkungen war. Aber da sich das nicht so toll anfühlte, legte ich es wieder ab. Ich entschied mich erneut für den Frieden in mir. Auf diese Weise fühlte ich mich nie gehandicapt, obwohl ich gehandicapt war – oder eher gefußicapt. Wenn ich in Dinge ganz vertieft war und dann noch schnell was holen wollte, hatte ich den gebrochenen Fuß total vergessen und schaute plötzlich verwundert auf den dicken „Ski-Schuh“ da unten. Ach so – ja – okay, die Krücken her und losgehumpelt.

Auf meinem Weg aus einem Kino kamen mir drei Jugendliche auf dem Weg zu ihrem Kinovergnügen entgegen. Einer von ihnen hielt mir sofort die Tür auf. Als ich hindurchgeschlüpft war, kam er mir hinterher. „Entschuldigen Sie, ich möchte gern noch mehr für Sie tun, als nur die Tür aufhalten – darf ich für Sie beten?“ „Oh, natürlich, gerne“, antwortete ich. Er wollte meinen Namen wissen und was passiert sei, legte mir dann die Hand auf die Schulter, schloss sie Augen und legte los, mitten auf dem Bürgersteig. Mit fester lauter Stimme und voll Hingabe sprach er ein langes Gebet, ungestört davon, dass zig Menschen an uns vorübergingen und irritiert schauten. Er sprach von Gott und dem Heiligen Geist und Heilströmen und vielem mehr. Ich stand da und ließ es einfach geschehen, ohne Urteil darüber, dass es nicht meinem Kurs-Verständnis von Heilung entsprach. Dann schauten wir uns lächelnd an und ich bedankte mich und wünschte ihm dasselbe. Ich freute mich darüber, dass ein Jugendlicher sich so etwas traute und es für ihn wichtig war, für fremde Menschen auf diese Weise da zu sein. Und ich freute mich, wie der Heilige Geist in mir es mir möglich machte, so ruhig und fröhlich mit meinem gebrochenen Fuß umzugehen und all meine Begegnungen zu würdigen. Ich bin soooo dankbar für den Kurs-Weg – meine wirkliche Geh-Hilfe in dieser Welt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.