Es macht einen Unterschied

Es macht einen Unterschied,
ob ich etwas denke
oder ob ich beobachte,
was ich denke.

Mit „Mist, der Bus kommt nicht. Ich verspäten mich. Ich habe ein Problem. “
bin ich vollkommen von diesem Gedanken beherrscht.
Doch wenn ich darauf aufmerksam werde, dass ich einen Gedanken habe,
und dass dieser Gedanke schlicht davon spricht,
dass der Bus zu spät ist und ich glaube, deshalb ein Problem zu haben,
bin ich ein Stück von dem Gedanken abgerückt.
Und in diese Lücke tritt Stille ein,
die das Gedankenkarussell anhält
und mich klar und in meinem wahren Sein präsent sein lässt.

Es macht einen Unterschied,
ob ich etwas fühle
oder beobachte,
was ich fühle.

Entweder bin ich wegen der Verspätung purer Ärger
oder
ich sehe nur, dass ich mich über die Verspätung ärgere.
Und in dieser Betrachtung erscheint die Möglichkeit,
stattdessen in Frieden zu sein.

Es macht einen Unterschied,
ob ich handle
oder mein Handeln beobachte.

Ich laufe beim Warten unruhig auf und ab
und bin total eins mit dem Körper.
Oder ich kann dabei zuschauen,
wie mein Körper unruhig auf und ab läuft
und ich mich als ein Körper empfinde.
So werde ich zum ruhigen geistigen Raum,
der die Traumfigur enthält und steuert.

Es macht einen Unterschied,
ob ich spreche und zuhöre
oder ob ich beobachte,
dass ich spreche und zuhöre.

Entweder ich frage andere Wartende nach unseren Möglichkeiten,
äußere mein Unbehagen und reagiere auf ihre Antworten
und bin gefangen in meinen Reaktionen und in der Situation.
Oder ich beobachte, was ich sage und höre
und sehe mein Gefangensein darin, meine Abhängigkeit.
So höre ich unseren Ruf nach Liebe
und decke unsere gemeinsame geistige Freiheit und Weite auf.

Es geht nicht darum,
vorhandene Gedanken, Gefühle, Handlungen Worte zu verändern,
sondern sie nur bewusst zu sehen,
uns ihrer neutral gewahr zu werden,
uns selbst dabei zuzuschauen
und ihre absolute Gültigkeit,
von der wir ausgehen,
in Frage zu stellen.
Und dann erscheint uns von selbst alles anders,
aus uns selbst heraus,
weil es nun von einer anderen inneren Quelle umspült wird.

Spürst du,
dass durch das Beobachten
ein Abstand entsteht,
sich ein Raum eröffnet,
in dem Stille und Frieden einkehren?

Spürst du den Unterschied?
Dass sich mit dem neutralen Beobachten
bereits unsere Identifikation und Verstrickung mit dem Körper,
mit der Welt, mit Gedanken, Gefühlen, Handlungen und Worten
zu lösen beginnt?
Und in diese Achtsamkeit automatisch Liebe einfließen kann,
die von unserer wirklichen Wahrheit spricht?

Spielen wir es durch mit
jedem Gedanken,
jedem Gefühl,
jeder Handlung,
allen Worten …
wir werden erfahren, dass wir immer
– immer –
im vollkommen gleichen still liebenden Frieden landen.

Denn wir sind die Stille, der Frieden, die Liebe,
die mit dem Körper und der Persönlichkeit,
ihren Gedanken, Gefühlen, Handlungen und Worten
nichts zu tun haben,
die sich aber in ihnen widerspiegeln können,
wenn wir uns im Geist dafür wieder öffnen.

Die Anhaftung
an diese Gedanken, Gefühle, Handlungen und Worte,
ist das Hindernis,
das unser wahres Sein verdeckt
und die es gilt durch urteilsfreies Anschauen zu entmachten.

Dann macht es wirklich einen Unterschied!
Und diesmal macht es einen Unterschied,
der nicht trennt,
sondern zur Einheit führt.

3 Gedanken zu „Es macht einen Unterschied

  1. Liebe Katja!
    Wie wahr! Wir wollen lieben und keinen Kampf mit der Welt veranstalten. Das bedeutet, kein Kampf gegen meine Wahrnehmungen. Was ich wahrnehme ist geprägt von einem Bewußtsein von Gut und Böse, von willkommen heißen oder auch nicht. Es ist willkürlich, veränderbar von einem Tag auf den anderen. Total unwahr und trotzdem dazu erkoren, mir Sicherheit zu geben. Einfach verrückt, die Welt spiegelt das Willkürliche, Veränderbare. Viel Lärm um nichts. Viel Aufsehen um nichts.
    Ich bin in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt. Ich bin reiner Geist, in Ewigkeit vereint mit meinem Schöpfer…
    dann stehe ich auf und tue, was zu tun ist, obwohl bereits alles getan ist, erlöst ist.
    Ich tue was zu tun ist, ohne Kampf, ohne Angst, etwas falsch zu machen. Ich funktioniere/agiere scheinbar in der Welt.
    Auch du (er, sie, es, wir) funktionierst/agierst scheinbar in der Welt. Mühst dich ab, um Erlösung, obwohl bereits alles erlöst ist.
    In Gott gibt es kein Gegenteil, wir sind bereits in ihm, an seiner Seite, das Heil der Welt.

    1. Liebe Veronika, vielen Dank, das sind sehr schöne Ergänzungen und Beschreibungen, die sich mit anderen Worten um das Gleiche drehen und somit uns noch weiter stärken und ausrichten. 🙂

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