Durch das Ego hindurch wandern

Ich war wütend über das Verhalten eines anderen gewesen,
hatte es mir aber bereits in Ruhe in mir angeschaut.
Ich war wieder ausgeglichener,
aber so ganz verraucht war die Geschichte noch nicht.

Wir gingen dann gemeinsam wandern
und als wir dabei anfangs nicht den richtigen Weg fanden,
war ich schnell sehr genervt
und regte mich laut über die schlechte Wanderbeschreibung und Beschilderung auf.
Beim vierten oder fünften Mal sagte ich schließlich zum anderen:
„Ich bin nicht gut drauf.“
Mein Befinden schlicht auszusprechen hilft mir oft,
um mich wieder einzukriegen.

„Ich habe aber nichts gemacht, oder?“, fragte er.
Spannend, wie wir uns immer gleich schuldig fühlen.
Ich antwortete zum Glück:
„Nein, es ist nie jemand anderes.
Es ist mein Geist, der will, dass ich leide.“

So gingen wir weiter und am liebsten hätte ich aber geschrien:
„Natürlich bist du Schuld, wer denn sonst?“
Ich war jedoch froh, dass ich es nicht tat,
denn mir war so klar, dass es falsch ist, nicht stimmt
und zudem noch mehr Schmerz bei uns beiden verursacht hätte.

Je länger wir nun wanderten
und ich schweigend meine geistigen Regungen und Gefühle nur betrachtete,
um so freier, leichter und fröhlicher wurde ich.
Der Tag endete in mir in einem wunderbaren Frieden.
Auch dies sagte ich meinem Gegenüber.
Und er hatte dies ganz sicher schon gespürt.

(Notiert am 02.03.2014)

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