Der Beobachtungsprozess beginnt in der Welt und endet bei Gott

Ich beobachte mein Unwohlsein. Worauf beruht es? Ja klar, immer auf der Wahl des Egos als mein Führer. Aber wie genau hat es mich gerade einfangen können?
Da war eine Meinungsverschiedenheit mit einem anderen Menschen. Ich bin empört und fühle mich angegriffen, weil derjenige auf seiner Meinung beharrte. Wie ich aber auch auf meiner. Immer schön ehrlich bleiben.
Wieder einmal verspüre ich sogleich eine solche Angst vor Ablehnung und Verurteilung, wenn ich dem anderen nicht zustimme. Niemand soll schlecht von mir denken. Ich will alles richtig machen und zweifle an mir. Ich will gemocht werden und denke dabei schlecht vom anderen. Ja, ich denke überhaupt oft schlecht von anderen.

Wow, wie blind bin ich eigentlich?
Na klar, meine Angst vor Verurteilung und Ablehnung durch andere spiegelt mir „nur“
meine eigene Ablehnung und Verurteilung ihnen gegenüber!
Das klingt jetzt total in mir an und entspannt mich interessanterweise schon mal.

Nun kann ich noch weiter gehen. Letztlich bekomme ich den so abstrakt erscheinenden Ego-Urschleim gespiegelt,  der mir noch viel unbewusster ist:
Es spiegelt mir meine Angst vor Gott, von ihm für die Trennung verurteilt, abgelehnt und strafend verfolgt zu werden.
Noch einen Schritt zurück spiegelt es mir meine eigene Ablehnung und Verurteilung von Gott.
Und noch einen Schritt zurück spiegelt es meine eigene Verurteilung meines scheinbar autonomen Selbst für die angebliche Trennung.
Und noch einen letzten Schritt zurück spiegelt es meine eigene Ablehnung meines wahren Seins in Gott.

Davor war und ist Einheit.

Nun bin ich wieder in unserer Verbundenheit angekommen, wenn ich all diese Zusammenhänge bloß sehe und den Prozess rückwärts gehe, den ich einst weg von Gott ging. Frieden und Verständnis erfassen mich nun. Die verschiedenen Meinungen als Menschen können darin einfach bestehen bleiben, während wir in Wahrheit in Gott als eins ruhen.

(Notiert 15.03.2007)

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