Auf dem Heimweg

Auf dem Heimweg von der Arbeit in plätschernden Gedanken versunken.
Ein guter innerer Tag lag hinter mir,
fröhlich, leicht, glücklich,
denn ich hatte in den Tagen zuvor
Ego-Eskapaden, die mich sehr erdrückten,
in vielen Feinheiten in mir erkannt
und sie hatten für heute ihre Macht über mich verloren.

Da dringen seltsame Geräusche zu mir durch,
ein Stoßen zwischen Körpern, Füßegetrappel,
dumpfes Aufprallen auf Asphalt,
harte menschliche Laute und auch Lachen.
Ich schaue suchend in die Richtung.

Eine versprengt stehende Gruppe Jugendlicher.
Im Hintergrund zwei jugendliche Körper raufend ineinander verknäuelt,
fallend, auf den Boden kugelnd.
Ich bleibe stehen, scanne.
Ist es Ernst oder Spaß?
Ich kann es nicht deuten,
irgendwie ist beides da.

Ich frage einem jungen Mann neben mir,
der auch dorthin schaut:
„Ist es Ernst oder Spaß?“
„Keine Ahnung, ich kenne die nicht.“
Wie ferngesteuert gehe ich auf das jugendliche Knäuel zu
und schwanke in meiner Interpretation immer noch.

Beim Vorbeigehen an den ebenfalls zuschauenden Jugendlichen,
die wohl dazugehören,
stelle ich die gleiche Frage.
Sie zucken unsicher lachend mit den Schultern.
Ich gehe weiter auf das Knäuel zu
und rufe sanft
– ich staune wirklich selbst über meinen Tonfall –
„Hey, ist es Ernst oder Spaß?“

Drei, vier Mal wiederhole ich es,
stehe dann nur noch einen Meter entfernt von ihnen,
beuge mich zu ihren Gesichtern,
ihre Augen suchend.
Nun nehmen sie mich in ihrem Geraufe wahr.

Ich schaue sie lächelnd und vollkommen offen interessiert an
und stelle nochmals die Frage,
denn noch immer ist es mir nicht klar.
Mir scheint, als sei es noch ein Spaß,
der immer mal kurz ins Aggressive kippt,
Brutalität deutet sich in der Haltung, dem Zupacken, ihren Lauten an
und dann wieder scheint es in Neckerei zurück zu schwappen.

Sie lassen nicht los voneinander,
der eine hat den anderen fest im Schwitzkasten,
sie taumeln vor mir hin und her,
während sie mich nun beide anschauen.
Und beide sagen und lachen mich dabei an:
„Es ist Spaß.“
„Wirklich?“

Da stößt der eine den anderen grob weg
und der andere schupst mit erzürnten Worten zurück.
„Wirklich?“, frage ich nochmals, lächelnd.
Sie halten inne.
Lachen wieder, schauen mich an: „Ja.“
Ich lache mit ihnen und verabschiede mich augenzwinkernd:
„Aber nicht dabei töten, okay?!“

Nun lassen sie ganz los voneinander.
Die ganze Jugendlichentruppe kommt zusammen,
zieht gemeinsam weiter,
die beiden mitten unter ihnen,
alle nun eindeutig fröhlich.

Ich schaue ihnen freudig nach,
staunend,
dass ich die ganze Zeit vollkommen angstfrei gewesen war,
nie nachgedachte hatte,
was zu tun oder zu sagen sei
und berührt,
den Spaß ernst
und den Ernst spaßig
genommen zu haben
– auf dem Heimweg zurück zu Gott,
denn das Ego hatte mich hier eindeutig nicht beraten. 😉 🙂

16 Gedanken zu „Auf dem Heimweg

  1. bei uns in der Schweiz heisst dies „Rutzen“, was nichts mit „Rotzen“ zu tun hat, sondern bedeutet soviel wie „Balgen“. Schöne Metapher: Zusammen nachhause balgen, leichtfüssig und frohen Herzens <3

  2. Interessant wäre es natürlich gewesen, wie du reagiert hättest, wäre es wirklich ernst und vielleicht sogar bedrohlich gewesen. Wobei ich froh bin, dass es nicht so war…..

    1. Ich wusste tatsächlich bis zum letzten Moment, bevor sie voneinander ganz abließen, nicht, ob es nicht doch ernst sein bzw. plötzlich völlig kippen und bedrohlich werden könnte. Das Interessante für mich war, dass es mir dennoch keine Angst machte, dass es kippen oder bereits ernst sein könnte. Ich handelte einfach in einem für mich erstaunlichen Frieden, der keinen Unterschied zwischen beiden Möglichkeiten bezüglich meines eigenen Empfindens machte. Es war eher wie ein sachliches und doch liebevolles Fragen, was es denn sei, denn es würde schlicht unterschiedlicher Handlungen bedürfen, je nach dem, was es sei. Und ich fühlte, ob es nun Ernst oder Spaß sei, ich war einfach da mit ihnen – ohne Angst und ohne eigenen Plan.

  3. Hallo Katja, (sau)stark! 🙂

    Ich habe die Situation, wie du sie schilderst, auch so empfunden, dass absolut nicht klar war, ob da jetzt gleich ein Messer gezogen würde oder nicht.
    „Ernst“ war es ja im jeden Fall in der Hinsicht, dass da lautstark der Todesglaube gepredigt wurde. Und du glaubst nicht, dass du viel mehr „getan“ hast, als nur selbst im Frieden zu bleiben? Meinst du nicht, dass du den beiden die Frage, die sie einander und den Umstehenden und dir gestellt haben, ob es nämlich solch einen Frieden gebe, der von ihnen nicht bedroht werden kann und der sie aus ihrer Angst befreien könne, durch dein angstfreies Fragen beANTWORTet hast?
    Und deshalb die Situation sich derart hat auflösen können?

    Sie haben die Antwort bekommen, nach der sie geschrien haben.
    Kann es sein, das wir einfach zu zögerlich sind, uns diese Möglichkeit, anderen ANTWORT, ein Wunder zu geben, einzugestehen, weil wir dann anfangen würden, an die hundertmillionen verpassten Gelegenheiten zu denken, bei denen wir diese ANTWORT verweigert haben? Zögern wir deshalb, uns als Wunderwirkende zu begreifen, die JETZT anfangen dürfen, einander diese ANTWORT zu geben?

    Ich würde das für mich so sehen. Wenn das Erlebnis des Wunders nicht so ABSOLUT eine andere Sprache sprechen würde, die eindeutig sagt: JETZT zählt, die Vergangenheit ist vergangen und : Jesus steht überall dort, wo du versagt hast und noch versagst und deinen Bruder nicht mit seiner Frage an dich siehst …
    dann würde mich das schlechte Gewissen schier auseinanderreißen. Allein das Thema Eltern. Und und.

    Siehst du meinen Punkt? Lassen wir uns kurz vorm Ziel doch noch von der wahren Vergebung abhalten, die dem Bruder antwortet, um selbst die ANTWORT zu hören und das Wunder zu erfahren?

    Ich hab mal Ähnliches erlebt mit sonne Rabauken. Hier nachzulesen: http://luftzumathmen.weebly.com/auf-kurs/november-26th-2016

    herzlich, Michael

    1. Lieber Michael,
      auch dein Erlebnis des inneren Friedens ist wunderbar (hey, juchu, die Verlinkung zu dir klappt wieder 😉).
      Ja, auf der Ebene, auf der wir uns individuell erleben, kann „mein“ Wunder – mein berichtigtes Denken und daher friedvolle Sein – andere dazu bewegen, dies auch für sich als Antwort zu wählen. Ob deine Männer oder meine Jungs am Ende wirklich in Frieden waren oder es ein Ego-Schein-Friede war, können sie nur selbst beantworten. Auch ein Schein-Friede scheint zumächst mal besser als sich die Köpfe einzuschlagen, klar – und ist dennoch Ego.
      Weißt du, ich frage mich, wenn ich im HG-Frieden bin, nicht, was bei den anderen durch mich geschieht. Denn entweder sie nehmen den Frieden in dem Moment auch für sich an oder irgendwann später. Vielleicht denken sie in ein paar Jahren an die Situation zurück und nun erst berührt der Frieden darin sie auch gänzlich, weil die dann bereit dafür sind. Das Angebot der Liebe geht nicht verloren, darüber muss ich mir gar keine Gedanken machen. Auch nicht, wann und wie der andere die Liebe annimmt. Ich weiß es schlicht nicht, wie es am Besten ist für den anderen. Aber der Ausgang für uns alle ist laut Kurs letztlich gewiss: GOTT.
      Mein Job dabei ist nur, die Sühne für mich anzunehmen – und darin ist die Sühne für alle enthalten, als Angebot und in meinem Blick auf die Unschuld in jedem.
      Ich weiß auch nicht, ob die Jungs oder deine Männer nicht auch vielleicht ohne uns voneinander abgelassen hätten oder wenn wir geschimpft hätten (auch das hätten sie für sich zur Umkehr nutzen können) …
      Ich bleibe also ganz bei mir, bin ich in Frieden oder Angst? Und bin so im Frieden doch zugleich ganz bei ihnen – vollkommen offen.

      Jesus ist mir ein großes Vorbild darin, dass er nicht auf das Ergebnis des Verhaltens schaute. Obwohl er Liebe und Frieden schenkte, wurde sein Körper dennoch gekreuzigt, weil einige sich in dem Moment nicht für die Liebe entschieden, sondern sie – und somit Jesus – als Bedrohung erlebten. Und dennoch können wir alle noch immer jederzeit seine Liebe, die die unsere ist, jetzt annehmen, weil er dabei blieb! Er verzweifelte nicht an der körperlichen Kreuzigung und der Verurteilung durch andere, weil er wusste, dass sie IHM/UNS nichts antun. Er kreuzigte sich und alle anderen nicht im Geist (wählte nicht das Ego), sondern er verband sich mit dem heilen Geist seiner Feinde, die er nicht als Feinde sah – so wie du so schön die Zartheit hinter der Aggressivität des anderen spürtest. Und so können wir auch auf jeden vergangenen Moment, in dem wir nicht Jesus wählten, jetzt mit ihm schauen und Frieden kehrt ein.
      Wie sind diese meine weiteren Gedankengänge für dich?
      Herzlich, Katja

      1. Deine Gedankengänge, liebe Katja, sind wie immer Wohlklang für meine Ohren und Inspiration.
        Ganz herzliche Gratulation zu deinem Webinar gestern bei der Online-Kurskonferenz! Wir haben eine strahlende und vom Kursgeist durch und durch inspirierte Katja erlebt, ganz wunderbar! Karlsruhe hat’s gut!

        Lieben Gruß von Michael

        1. Lieber Michael, vielen Dank. Ich hatte echt ganz „schönen“ Bammel vor dem Webinar. Ist überhaupt nicht mein Medium, hatte ich noch nie gemacht. Auch schon das Interview als Online-Aufzeichnung war für mich eine Herausforderung gewesen und ich umschiffte dies, indem ich mich zur Aufzeichnung gleich direkt in Armins Wohnzimmer einlud. 🙂
          Aber ich wollte mich nun der Online-Herausforderung stellen. Aus Angst kneifen gilt ja nicht. Tagelang beschäftigte mich die Angst und Unsicherheit und wurde immer stärker. Ich schaute sie mir an und schaute sie mir an und setzte dennoch immer wieder auf der falschen Ebene an, indem ich mich sicher machen wollte. Noch bis eine Stunde vorher wünschte ich mir, die Technik möge einfach versagen und ich sei fein raus. Doch dann kam endlich zu mir durch: „Ich will in Frieden sein, ob ich nun völlig steif vor der Kamera sitze und niemand anderes etwas sagt oder nicht. Ich mache mir keinen Druck mehr, nehme alle Erwartungen heraus.“ Poah! Entspannung pur! Und dann war nur noch Freude in mir, als ich die ersten Gesichter im ZoomRoom (oder wie man das nennt, wo wir uns da online trafen) sah! Es hat mir einfach nur noch Spaß gemacht und ich wurde inspiriert durch die Beiträge der anderen. Ich bin Armin so dankbar für das Angebot, durch dass ich wieder eine Angst ablegen konnte.
          Herrlich, da hatte ich keine Angst, als sich die Jungs eventuell gleich die Köpfe einschlagen würden, aber vergehe fast vor Angst wegen eines Webinars, das mich definitiv nicht umbringen wird! Wie absurd das Ego doch ist und mir aus so etwas so ein Problem strickt. Na egal, wir nehmen immer das, was vor unserer Nase ist und nutzen es für den Heimweg! 🙂

          1. Wow, wie schön! Da sind wir alle Geschwister: in der Angst voreinander und ihrer Erlösung mitEINander!
            Danke dir, du warst ganz wunderbar!

          2. Gänsehaut, wie du es in einen Satz bringst: Angst voreinander, Erlösung mitEINander! Wow!

    1. Danke, liebe Ulrike, diese Erfahrung hat mich selbst gestärkt. Diese Natürlichkeit aus dem Frieden heraus. Wir können wirklich vertrauen, dass wir aus dem Heiligen Geist ebenso automatisch reagieren wie aus dem Ego.

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